Monday, November 3, 2008

Gib Gas, lieber Michael

Nach unserer nächtlichen 6.5 stündigen Autofahrt von Paihia nach Rotorua haben wir uns beide schon mehr oder weniger an den Linksverkehr gewöhnt (wir haben übrigens einen Toyota Vitz 1.3l, für die, die es interessiert). Wir beide haben schon eine Wette am Laufen: Wenn der Fahrer auf der falschen Seite fährt und von einem anderen Fahrzeug gehupt wird, so zahlt der Fahrer der anderen Person ein Happy Meal. Bisher hat noch niemand diese Wette gewonnen. Die Chance aber war da, als Michael einmal bei der Ausfahrt sagte, dass er sich schon sehr gut an den Linksverkehr gewöhnt habe und just fuhr er auf der rechten Seite weiter. Ich armer Tor hab ihn noch gewarnt! Da wir 100% versichert sind (0.- Selbstbehalt), bevorzuge ich doch lieber ein Happy Meal.

Nachdem wir in unserem Youth Hostel in Rotorua eincheckten, wurden wir gefragt, ob wir einen zweiten Schlüssel für unser Zimmer haben wollen. Da wir beide aber sowieso praktisch immer zusammen weggehen und wieder zurückkommen, lehnten wir dieses Angebot ab. Wir deponierten unser Gepäck im Zimmer und ich suchte dann eine Toilette. Als ich zurückkam, sah ich Michael zur Rezeption laufen. Auf meine Frage, wohin er gehe und ob ich denn Schlüssel fürs Zimmer haben könne, um die Türe aufzuschliessen (wenn man die Türe zumacht, wird sie automatisch geschlossen), antwortete Michael: „Dä Schlüssel hanich im Zimmer vergässe…“ Armer Tor! :)

Den Rest des Tages verbrachten wir mit einem Rundgang in Roturua. Dabei hatten wir diverse Kirchen gesehen, Hot Springs wie in Beppu in Japan (ja, die stinken auch hier wie faule Eier!), eine Driving Range, Baseball Batting Anlage und eine Minigolfbahn, wo wir nicely eine Runde gespielt haben. Aber im Vergleich zum „Minigolf“ in der Schweiz spielten wir wirklich Minigolf und nicht „Bahnengolf“. Wir waren beide katastrophal schlecht :) Michael hat zwar um 2 Schläge gewonnen, doch wir beide waren so 15 Schläge über Par. Tja, da werden wir noch lange auf dem Wii üben müssen, bis wir richtige Profi-Golfspieler werden (Es sollte aber noch erwähnt werden, dass Michael auf einer Bahn ein Hole-in-One geschafft hatte!).

Tags darauf sind wir nach Waitomo gefahren. Waitomo bedeutet 'Wasser, das durch ein Loch fliesst'. Es gibt dort einige Tropfsteinhölen zu besichtigen. Bevor wir die zwei Stunden entfernten Waitomo Caves erreichten, hatten wir jedoch noch ein kleines Problem. Da wir als Arbeitslose natürlich an allen Ecken und Enden sparen wollen, machen wir auch beim Benzin Preisvergleiche und suchen uns die billigsten Angebote heraus. Unser Tank war also noch knapp 20% voll, als wir uns entschieden noch ein paar Tankstellen in unser Sample aufzunehmen. Interessanterweise kamen dann aber plötzlich keine Tankstellen mehr, die uns ihr wertvolles Gut anbieten wollten. Die Balken für die Tankanzeige wurde also immer kleiner und kleiner. Als nur noch das letzte Element blinkte, begannen wir bergab im Leerlauf zu fahren um dann wieder ganz sanft zu beschleunigen. Dann endlich, 15km vor der nächsten grösseren Stadt, sahen wir ein Petrol-Sign. Wir freuten uns wie kleine Kinder, hielten bei der ersten Säule an um den Preis zu checken - ein Automatismus, wir hätten das Benzin eh gekauft - aber die Anzeige war leer. Gut, das bedeutet hier nichts, denn bisher musste man an allen Tankstellen die Säule aktivieren lassen oder gar im Voraus zahlen um tanken zu können. Doch ein Tankwart schien nicht in der Nähe zu sein. Wir schauten also im kleinen Häuschen daneben nach, wo wir einen Zettel fanden, der beschrieb, dass der Tankwart nur tagsüber von Montag bis Freitag da sei. Wenn man ausserhalb der Öffnungszeiten Benzin wolle, koste das 15$ extra. Lieber 15$ bezahlen, als das Auto abschleppen lassen oder gar zu stossen (der Tankwart führt zudem auch einen Abschleppdienst, wie praktisch!). Lustigerweise stand aber nirgends beschrieben, wie man den Tankwart ausserhalb der Öffnungszeiten erreichen konnte. Weder eine Klingel, noch einen Wegbeschrieb, noch eine Telefonnummer war auffindbar (Telefon hätte eh nichts gebracht, da weit und breit kein Mobilfunk-Netzwerk war). Also fuhren wir halt noch vorsichtiger weiter. Schlussendlich schafften wir es doch wider Erwarten in die nächste grössere Stadt und hatten sogar noch 5 Liter übrig. Das Benzin kostete übrigens genau gleich viel, wie an der letzten Tankstelle, unser Abenteuer war also gratis! Wieso also 300$ für Skydiving bezahlen, wenn wir unsere Adrenalinschübe auch gratis haben können?
Endlich bei den Waitomohöhlen angekommen, buchten wir eine Tour durch die Glühwürmchenhöhle, die sich wirklich lohnte, und durch eine andere Tropfsteinhöhle, auf die man gut verzichten kann, wenn man schon einmal in der Höllgrotte war.

Zurück in Rotorua gingen wir am Abend bei Pizza Hut essen. Obwohl es regnete und wir wussten, dass wir ca. 10 bis 15 Minuten laufen müssten, um dorthin zu gelangen, sind wir nicht auf die Idee gekommen, mit dem Auto dorthin zu fahren. Man merkt schon, dass wir seit unserer Reise recht grün geworden sind und dass wir uns ans Laufen gewöhnt haben. Wir hätten einen Schrittzähler mitnehmen sollen, mich nimmt’s extrem Wunder, wie viele (sinnlose – z.B. auf der Xi’an City Wall) Kilometer wir schon seit Beginn unserer Reise gelaufen sind.
Dort angekommen (vor 20:00 Uhr) mussten wir feststellen, dass wir die Pizza nur noch mitnehmen könnten, weil das Restaurant selbst schon geschlossen hatte (LOL!). Ohne Schirm und ohne einen Plastiksack bekommen zu haben (führen sie nicht) liefen wir im Regen zurück zur Jugendherberge, wo wir zum Glück doch noch eine einigermassen warme Pizza geniessen konnten.
In der Bar neben unserem Dining Room wurde der Rugby Match zwischen den New Zealand All Blacks und Australien gezeigt. Die Fans feierten lautstark mit ihrer Mannschaft mit, so dass wir die Party auch in unserem Zimmer hörten. Um 0:00 Uhr wurde dann noch laut Happy Birthday gesungen. Wir merken schon, dass wir hier in einem Land sind, wo die Engländer grossen Einfluss haben. Obwohl wir in einem rechten Kaff wie Rotorua waren, werden hier die grösseren Parties gefeiert als in ganz Japan. Schade, dass wir am nächsten Morgen wieder Autofahren mussten. Sonst wären wir bestimmt mit den Fans feiern gegangen.

Am nächsten Morgen fuhren wir nach Matamata, an den Ort, wo die ganzen Shire-Szenen (dort, wo die Hobbits leben) aus Lord of the Rings gedreht wurden. Das Dorf der Hobbits befindet sich auf einer Schafsfarm, welche von New Line Cinema gepachtet wurde. Einige Filmrequisiten wurden nach dem Dreh nicht entfernt, und eine Tour wird deshalb angeboten, um diese zu besichtigen. Wir Nerds buchten natürlich diese Tour und wir müssen beide sagen, dass sich diese Tour extrem gelohnt hat. Unser Guide war wirklich genial und wir konnten z.B. Sam’s Haus besichtigen, den Party-Tree, etc.

Nach dieser Tour brachen wir Richtung Taupo auf, wo wir einen sehenswerten See anschauen gingen. Auf dem Weg dorthin haben wir abgemacht, dass wir im Falle einer Parkbusse, etc. die Busse teilen würden, Bussen wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen zahlt aber der jeweilige Fahrer.
10 Minuten später überholte Michael auf der Überholspur ein Auto. Auf der Gegenfahrbahn sahen wir ein anderes Auto, welches einen krassen U-Turn machte und gar im Gras landete. „WTF?“, dachten wir uns und fuhren ganz normal weiter, ehe wir nach einigen Minuten einen Wagen mit Blaulicht hinter uns sahen. Wir dachten zuerst, dass das Polizeiauto uns überholen wolle, aber als dieses hinter uns herfuhr und dann die Sirenen ertönen liess, war uns klar, dass wir angehalten werden. Aus dem Wagen (es war übrigens das Auto, das den U-Turn gemacht hatte), stieg ein Polizist aus und fragte Michael: „What’s the speed limit in your country?“ – „120“ – „No! What’s the speed limit in your country?“ – „120!“ (bisch dumm, Polizischt? :)) – „What’s the speed limit in this country“ – „100“ – „How fast were you driving?“ – „110“ – „No, 130!“ – „Oh really?“
Wir haben zuvor noch diskutiert gehabt, wie man in Neuseeland überhaupt geblitzt werden kann, weil wir noch nie einen stationären oder mobilen Blitzkasten gesehen haben. Jetzt wissen wir, dass das Tempo im fahrenden Polizeiauto gemessen wird.
Auf der State Highway gibt’s eine Toleranz von 10km/h, Michael war also 20km/h zu schnell, was einer Busse von 230$ NZ entspricht.
Nachdem wir die Busse bekommen hatten (Michael hat 1 Monat Zeit, sie zu bezahlen), gab der Polizist noch folgendes auf den Weg: „Drive fas…., drive safe!“. Drive fast? Ich hätte fast einen Lachkrampf gekriegt, zum Glück konnte ich mich aber noch beherrschen! Funniest Cop ever!

Von Taupo aus fuhren wir dann zum National Park, wo wir die Nacht in einem weiteren Youth Hostel verbrachten, um am nächsten Morgen unsere 6 stündige Wanderung durch Gorgoroth und Amon Amarth zu machen (bekannt als Mordor aus Lord of the Rings).

4 comments:

Anonymous said...

jaja soviel zum thema sparen... seid froh dass der cop nicht auch noch NATURALIEN von Michi verlangt hat... kannst ja trotzdem noch dein füdli feilbieten um die busse abzubezahlen, michael...

Anonymous said...

Eierwasser:
Wenn das Wasser nach faulen Eier stinkt, handelt es sich meistens um eine Schwefelquelle. Gut gegen Rheuma. Na, das könnt ihr nicht wissen, denn so alt dass ihr Rheuma habt seit ihr zwei doch noch nicht.

Busse:
Michael kann ja versuchen, das Land zu verlassen ohne die Busse zu bezahlen.
No risk, no fun :-)

TheMike22 said...

Ich habe einen Monat Zeit, die Busse zu bezahlen. Mal schauen, ob sie mir eine Mahnung nach Baar schicken, wegen der Hand voll Dollars. ;-)

Swissbanana said...

Der Bruder von Ossi hat mal physischen Besuch in Ossingen von der Deutschen Polizei wegen einer EUR 90 Geschwindigkeitsbusse erhalten. Bin gespannt, ob die Neuseelaender wegen NZD 230 auch in die CH reisen...