In diesem Blogeintrag berichte ich über die „Ärmi“ der Neuseeländer, einige davon haben wir in den vorherigen Einträgen schon kurz erwähnt. Wir müssen jedoch auch zugeben, dass diese neuseeländische Ärmi Einfluss auf uns hatte, die Highlights sind:
- Michael hat es fertig gebracht, uns 2mal im Youth Hostel auszuschliessen, weil er den Schlüssel im Zimmer vergessen hatte und die Türe automatisch geschlossen wurde. In Queenstown geschah dies fast ein 3. Mal, als wir in den Ausgang gingen und wir zum Glück knapp vor 22 Uhr noch bemerkten, dass wir den Zugangscode für den Haupteingang gar nicht dabei hatten (die Haupteingangstüre wird um 22 Uhr geschlossen).
- Bevor wir Nelson verliessen, gingen wir in einen Supermarkt, um Lippenpomade für Michael zu kaufen. Ich wartete im Auto auf Michael und sah, wie er zum Abfalleimer lief als er aus dem Supermarkt kam. Als er dann ins Auto einsteigen wollte, fragte er mich, ob ich einen Plastiksack dabei habe. Ich wunderte mich, wieso er diesen brauche, worauf er antwortete: „Ich han dä Deckel vo dä Pomade in Güsel grüehrt!“ :)
- In Queenstown sind wir vor unserer Pubtour in einem mexikanischen Restaurant essen gegangen. Wieder einmal musste Michael seine Selbstüberschätzung unter Beweis stellen, indem er nicht nur das spicy Chilli Con Carne, sondern das extreme spicy Menü bestellte (wir haben dort übrigens gelernt, dass man Chilli im Englischen entweder mit einem oder mit zwei L’s schreiben kann), weil er in den Restaurants bisher noch nie was Scharfes bekommen hatte. Aber bekannterweise ist irgendwann das erste Mal: Als ich mit meiner Portion fertig war, hatte Michael noch nicht einmal die Hälfte durch und schwitzte schon wie ein Tier (jeder weiss, dass ich sehr langsam esse). Ich konnte uns sogar noch den Zugangscode fürs Youth Hostel besorgen (siehe oben) und erst als ich nach gut 15 Minuten zurückkam, war Gubsi mit seiner Portion endlich durch. Erstaunlicherweise hatte er doch alles aufgegessen, aber er fing an zu jammern, dass es seinem Magen nicht gut gehe und dass er ins Youth Hostel zurück wolle, um ein wenig im Bett zu liegen. Zudem prophezeite er, dass er in dieser Nacht ziemlich sicher kotzen müsse, wenn wir von Pub zu Pub gehen würden :) Ich konnte ihn zum Glück noch überreden, nicht ins Youth Hostel zurückkehren, weil wir sonst garantiert nicht mehr in den Ausgang gegangen wären („Wer scharf ässe mag, mag au suufe!?!?“). Das Kotzen blieb (leider) aus, aber die WC-Sitzung am nächsten Morgen lässt sich am besten mit „It burns us!“ (Gollum in Lord of the Rings) beschreiben. Lustigerweise brannte es nicht von Anfang an. Ich bemerkte am Morgen nur, wie Michael blitzartig zum Klo rannte und nach seinen eigenen Aussagen fragte er sich beim ersten Gegel selbst, wo seine Blähungen blieben. Ein paar Sekunden später aber kamen sie ;-) („und, hesch gschwitzt bim Gegle?“ :))
- In Twizel sind wir in einem lokalen Restaurant mit einem Take-Away Stand essen gegangen (dort gab’s ein Snizel in Twizel von Frit...). Da wir beide wirklich gar keinen Bock auf Fish & Chips hatten (ja, wir haben diesen Fast Food langsam satt; ich hab nie gedacht, dass ich dies in Neuseeland, oder besser gesagt jemals sagen würde!), wollten wir ein richtiges Menü bestellen, nachdem wir gesehen hatten, dass einige Gäste eine anständige Mahlzeit zu sich nahmen. Ich schnappte mir eine Karte auf einem Tisch und schaute mir die Preise an, weil wir mit unserem Budget nicht jeden Tag ein Entrecote essen können. Ich ging die Preise durch und bemerkte, dass alles zwischen 30$ bis 70$ schwankte. Ich teilte Gubsi mit, dass die Menüs wohl zu teuer für uns wären und legte die Karte wieder zurück auf den Tisch. Bevor Gubsi jedoch etwas sagen konnte, ist mir selber aufgefallen, dass ich die Weinkarte angeschaut hatte :)
- Total hab ich 3 Spatzen angefahren, welche auf der Stelle starben (den 3. Spatz hab ich auf dem Weg nach Catlins fast überrollt). Zu meiner Verteidigung muss ich jedoch erwähnen, dass ich praktisch bei allen 3 Fällen weder ausweichen noch eine Vollbremse machen konnte. Immerhin hat Michael auch keine reine Weste, da er einen Spatz am Flügel gestreift hatte. Ich bin mir sicher, dass dieser kleine Vogel nicht mehr fliegen konnte und somit einen qualvollen Tod erleiden musste, sei es wegen Schmerzen oder weil er von einem anderen Tier aufgefressen wurde. Was ist also schlimmer: Der sofortige Tod oder Tod durch Leiden?
Über die Neuseeländer muss folgendes gesagt werden:
- Fahrkünste: Michael hat in seinem letzten Blogeintrag schon erwähnt gehabt, dass die Neuseeländer beim Überholen recht arm sind: Auch wenn die Strasse genügend breit ist, sodass sogar 3 Autos nebeneinander Platz hätten, getrauen sie sich nicht, Velofahrer zu überholen, weil sie beim Überholen die ganze Breite der Gegenfahrbahn benötigen. Auch fahren die meisten Neuseeländer immer so 10km/h unter der erlaubten Geschwindigkeitslimite, auch wenn die Bedingungen optimal sind. Vor allem in der Kurve wird es ganz schlimm, wenn sie auf 40 abbremsen, obwohl man die Kurve locker mit doppelter Geschwindigkeit nehmen könnte („huere Schlicher!“).
Den Kreiselverkehr beherrschen sie ebenfalls nicht: Wenn sie im Kreisel die rechte Ausfahrt nehmen wollen, blinken sie schon vor dem Eintreten des Kreisels nach rechts (Remember, in Neuseeland fährt man links herum). Wenn man also nicht gerade hinter jenem Fahrzeug vor dem Kreisel war, kann man gar nicht wissen, welche Ausfahrt der Fahrer nehmen möchte. Eine Frau regte sich einmal ganz fürchterlich auf, als ich beim Verlassen des Kreisels den Blinker nach Links stellte. Also entweder beherrschen die Neuseeländer den Kreiselverkehr nicht oder unser Kreiselverkehr in der Schweiz stimmt nicht mit dem neuseeländischen überein, was mich aber doch sehr wundern würde.
Auch die Vortrittsregeln sind hier sehr merkwürdig. Wegen des Linksverkehrs könnte man meinen, dass hier deshalb Linksvortritt gelte. Dem ist aber nicht so! In Neuseeland gilt nach wie vor der Rechtsvortritt! Eine andere Regel ist auch ganz komisch: Wenn ein Fahrzeug nach links und ein entgegenkommendes nach rechts abbiegen möchte, wer hat dann Vortritt? Genau, das Fahrzeug, das nach rechts abbiegt! Summa summarum haben sie hier zwar Linksverkehr, aber die Vortrittsregeln haben sie dem Rechtsverkehr übernommen. Somit würde es mich auch nicht wundern, wenn wir uns wirklich die ganze Zeit im Kreisel falsch verhalten hätten.
Über die vielen One Way Bridges auf den State Highways muss gemeckert werden. Keine Ahnung, wieso sie praktisch alle Brücken auf den Highways nur einspurig gebaut haben. Aber auf unserer Reise haben wir immer das Gefühl gehabt, dass wir bei diesen One Way Bridges immer keinen Vortritt hatten, was dazu führte, dass wir manchmal von 100 auf 0 bremsen mussten, weil diese Brücken spät signalisiert wurden.
Auf dem Weg nach Christchurch haben wir wohl den ärmsten Autofahrer der Welt gesehen (ein Herr mitte 40, wird im folgenden Ärmst genannt). Auf einer Passing Lane auf der State Highway überholte Ärmst vor uns ein langsam fahrendes Auto und das nächste Fahrzeug vor ihm war ein LKW. Ärmst (Toyota Corsa, türkis, CQY712) konnte sich nicht entscheiden, ob er auch noch den LKW überholen solle, deshalb überholten wir ihn und den LKW, was äusserst knapp wurde, da wir erst am Ende der Passing Lane am Lastwagen vorbeizischten. An dieser Überholung schien Ärmst keine Freude zu haben und fing an durchzudrehen. Er revanchierte sich, indem er uns in einer Stadt überholte und machte dann halsbrecherische Überholmanöver auf der State Highway, indem er über die gelben doppelten Sicherheitslinien fuhr und 2mal nur knapp einer Kollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug entronnen ist. Zudem hatten wir das Gefühl, dass Ärmst besoffen war, was man anhand seines schwankenden Fahrstils merken konnte. Ich glaube, Ärmst konnte es nicht wahrhaben, dass er von uns überholt worden ist, oder hatte er einfach nur Angst vor uns? - Der Höhepunkt der neuseeländischen Ärmi stellen aber die sanitären Anlagen dar. Wir werden dazu in den Staaten, wo wir garantiert eine anständige Internetverbindung haben und nicht 6$ pro Stunde bezahlen müssen, ein Video uploaden, welches die Ärmi gleich in Bildern zeigt. Nur soviel soll gesagt sein: An den Lavabos gibt es nicht nur einen Wasserhahn sondern zwei: Einer, wo kaltes Wasser herauskommt und der andere ist für das heisse Wasser zuständig. Also, probiert mal mit warmem Wasser die Hände zu waschen ohne das Lavabo zu füllen!
Die Duschen sind z.T. auch recht katastrophal. Meist kommt entweder kein richtiger Wasserstrahl oder das Wasser ist so heiss, dass man sich gleich verbrennt oder so kalt, dass man bald seinen eigenen … (ihr wisst schon was) nicht mehr sieht. Nichts für Warmduscher also! - In Neuseeland ist ein grosser Wahn bezüglich Umweltfreundlichkeit ausgebrochen: Sie recyclen wirklich alles, weshalb auch x-verschiedene Abfallcontainer für Plastik, Food, Karton, etc. existieren. Ich find dies ja ganz gut eigentlich, aber bei anderen Sachen übertreiben sie es meiner Meinung nach: Neben der Steckdose gibt es immer einen Schalter, um den Stromkreislauf mechanisch zu unterbrechen. Angeblich sparen sie auf diese Weise Strom, denn die Luft könnte ja den Kreislauf schliessen. Aber come on, wie viel Milliwatt wird pro Jahr gespart, wenn überhaupt? Auch merkt man diesen Wahn bei der Heizung, welche praktisch alle einen Timer von 15 bis 30 Minuten haben. Nicht selten haben wir uns in der Nacht den Arsch abgefroren, weil wir entweder gar keine Heizung hatten oder eben nur maximal 30 Minuten im Zimmer geheizt wurde. Und momentan ist es in der Nacht wirklich recht kalt!
Bei der Isolierung der Häuser wurde definitiv auch gespart. In unseren Zimmern in den Youth Hostels konnten wir praktisch immer hören, wenn jemand im Gang, im oberen Stock oder sonst wo herumläuft. Manchmal hörten wir sogar, ob jemand am Duschen oder auf der Toilette war. Sogar das Geräusch des Ventilators im Gang konnten wir im Youth Hostel in Auckland in unserem Zimmer super gut hören.
Das WC-Papier muss auch bemängelt werden. Hier gibt es praktisch nur ganz dünnes Toiletten-Papier. Die Idee ist ja ganz klar, oder? Weniger Bäume müssen gefällt werden dank dünnerem Papier. Der Haken: Man braucht nun doppelt so viel Papier, um sich den Arsch mit einer doppelten Schicht zu reinigen. Oder findet ihr es cool, wenn das WC-Papier reisst und ihr den Finger im Arsch habt?
Ach ja, Strom wird auch bei der Ampel für Fussgänger gespart. Das Rotlicht schaltet sich erst ein, wenn man auf einen Knopf drückt, ansonsten brennen die Lichter nicht. In Wellington wurde Michael fast von einem Auto überfahren, als er weder das Rot- noch Grünlicht sah und deshalb dachte, dass er wegen der Sonne das Grünlicht nicht sehe und lief somit über die Strasse. In diesem Moment hatten die Autos aber freie Fahrt…
Zum Thema Recycling bleibt noch zu erwähnen, dass man vor allem im Supermarkt für jede gekaufte Ware einen Plastiksack bekommt, sei die Ware noch so klein wie z.B. eine Lippenpomade. Diese Säcke werden bestimmt nicht wieder verwendet und gerade da könnten sie besser auf die Umwelt achten!
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