Tuesday, November 11, 2008

Ken 2 - The Birds 0

In Picton angekommen, suchten wir unser Youth Hostel, welches wir dank der guten Überschaubarkeit der Kleinstadt schnell fanden. Das Hostel war ein umfunktioniertes Wohnhaus, was es sehr gemütlich machte und eine schöne Abwechslung bot zum Riesenhostel in Wellington. Der Komfort war auf ein Minimum beschränkt. So fehlte in der Duschkabine ein Teil des Fensters, was das Duschen zu einem ziemlichen Abenteuer machte, da es zu dieser Zeit morgens und abends bitterkalt war. Wir teilten unser Zimmer mit drei Deutschen, welche ebenfalls auf Neuseelandtour sind, sich aber ein bisschen mehr Zeit lassen und sich wohl in der Zwischenzeit einen Job suchen wollen.

Unser nächstes Ziel war Nelson, wo wir einen Zweitagesaufenthalt planten, damit endlich mal wieder Zeit für die Wäsche da war. Zudem hatten unsere 'Wanderschuhe' langsam einen beissend unangenehmen Geruch angenommen und mussten dringend auch gewaschen werden. Das Nelson YH war wiederum eine Nummer grösser als in Picton. Wir hatten eine Riesenküche, einen Töggelikasten (easy Sieg gegen Ken), einen Pingpongtisch (nicht-ganz-so-easy 5-Satz-Sieg :-P ), zwei verstimmte Klavier und sogar einen Schalldichten TV-Raum.
In Nelson selber gab es nicht sehr viel zu sehen. Ein historisches Haus, eine noch historischere 'Founders Town', welche aber so künstlich war, dass wir uns wie im Disneyland wähnten, eine Kathedrale, die kleiner ist als die St. Martins Kirche in Baar (dafür architektonisch ein wenig interessanter) und ein Japanischer Garten war mehr oder weniger alles, was wir auskundschafteten. Während unserer Tour durch Nelson ist uns noch die Polizei mit Blaulicht und Sirene nachgefahren. Ich in meiner Paranoia hab schon wieder die Bussenzettel flattern gesehen, weil ich in einer Quartierstrasse einen U-Turn über eine weisse Sicherheitslinie gemacht habe (die weissen sind nur als Markierung gedacht, die gelben bedeuten 'Überqueren verboten'). Nachdem wir das Auto abgestellt haben, sind die Polizeiautos noch zweimal an uns vorbeigefahren, haben aber wohl nicht uns gesucht (oder sie sind ziemlich schlecht in Sachen Verfolgungsjagd ;-) ). Wir haben sogar noch den neuen Aufenthaltsort von Herrn H. Jensen aus Bern ausgemacht: Er hat unter dem Namen Jens Hansen ein Juweliergeschäft in Nelson aufgemacht und versucht hier so gut es geht seinen Kunden nicht entgegen zu kommen.
Da an diesem Wochenende in Neuseeland nationale Wahlen waren, war auf der Strasse viel los. Wir lauschten den Nationals zu und mussten feststellen, dass auch in Neuseeland viel geredet und versprochen wird während des Wahlkampfes. Allerdings sind die Wähler um einiges gesitteter als zu Hause. Oder kann sich das jemand vorstellen: Eine SVP-Veranstaltung an der Zürcher Bahnhofsstrasse vor mit Christoph Blocher als Redner und genau einem Polizisten, der das ganze überwacht. Absolut keine Interventionen, nur eine Frau, welche im Vorbeifahren kopfschüttelnd 'vote Green' vor sich her murmelt.
Währenddessen ist ein kleiner Bus durch Nelson gefahren, welcher die ganze Zeit Slogans durch die Gegend rufte, wie: "your planet cannot vote, but you can. vote Green.", etc. Dieser Bus hielt dann an einer Ampel, als auf der zweiten Spur ein voll-getunter Schlitten hielt und den Grünen zeigte, was er von ihrer Politik hielt, indem er die Kraft unter seiner Haube mal demonstrierte. Trotz allem scheint man hier auch den politischen Gegner mit ein wenig Anstand und Respekt zu behandeln. Keine verschmierten Plakate, keine 'Demos', keine Buhrufe bei Reden.
Am Abend haben wir in der Jugendherberge einen Basler getroffen, der ebenfalls die Welt bereist. Nach Kanada und den Fiji ist er auch in Neuseeland gelandet und verbringt seine Ferien zu einem Grossteil mit Hiking in den Nationalparks. Mit ihm haben wir dann eine Bar besucht, wo es ein Donnerstags-Special gab: 4 Bier für 12$, Prost!

Am nächsten Tag machten wir einen Ausflug in den Norden der Südinsel. Auf dem Weg dorthin haben wir in einer Tropfsteinhöhle Halt gemacht. Im Unterschied zu den Waitomocaves gibt es in dieser Gegend viele Marmorhöhlen. Was die Höhle insbesondere sehenswert macht, sind die Moa-Skelette (Moas sind straussenähnliche Vögel, die inzwischen ausgestorben sind), die man darin findet. Leider haben wir nicht alles wissenswerte unserer Höhlenführerin verstanden, da das Pärchen, welches ebenfalls mit uns durch die Höhlen gewandert ist, seine anti-autoritär erzogenen Kinder mitgeschleift hat. Diese haben dann durch die ganze Tour hindurch ihr Gefallen und ihre Ängste an der Höhle der Umwelt kund getan. Sehr amüsant.
Ein paar Kilometer weiter im Norden haben wir dann noch die Te Waikoropupu Freshwater Springs besucht, welches die grösste Frischwasserquelle der Welt darstellt. So viel so klares Wasser auf einmal hatten wir noch nie gesehen, aber leider war es verboten von den Quellen zu trinken, sich zu waschen, etc. Der absolute Sauberkeitstest und der Vergleich mit den heimatlichen Quellen blieb uns somit erspart.
Auf dieser kurzen Tour hat es Ken sogar noch geschafft einen kleinen Vogel zu rammen. Das arme Tier hat es über unsere Windschutzscheibe geschleudert, rollte noch ein paar Meter und blieb regungslos liegen. Auf eine Beerdigung haben wir verzichtet.

Tags darauf haben wir uns in Richtung Westküste aufgemacht. Den Gerüchten zu Folge soll die Westküste besonders pitoresk sein, was wir natürlich mit eigenen Augen sehen wollten. Die Reise an die Küste wurde leider durch ein Velorennen verzögert. Das heisst das Velorennen selbst wäre ja nicht das Problem gewesen, da die meisten Velofahrer schön am Rand der Strasse fuhren. Die eigentliche Behinderung stellten die Autofahrer dar. Irgendwie scheinen die Neuseeländer keine Ahnung zu haben, wie breit ihr Auto ist, wie lange sie brauchen um zwei schleichende Velofahrer zu überholen, etc. Die Autofahrer brauchen hier beide Spuren um einen Velofahrer zu überholen und die Strassen sind hier meistens so breit, dass notfalls auch drei Autos nebeneinander Platz hätten. Somit können die Neuseeländer nur überholen, wenn auch wirklich kein Auto entgegen kommt. Zudem muss auch in der Weite genügend Platz da sein, da der Neuseeländer ungern sein Gaspedal durch drückt. Den Vogel abgeschossen hat (nicht Ken, der hat den Vogel nur gerammt) ein Autofahrer, welcher sich zu Beginn nicht sicher war, ob die 200m wohl reichen würden um die kleine Gruppe zu überholen. Er überholte dennoch, merkte dann aber, dass es nicht reichen wird und wich nach rechts aus. Das entgegenkommende Fahrzeug wich logischerweise nach links aus (remember: Linksverkehr!), wobei die Kollision durch beidseitige Vollbremsung verhindert wurde. Mehr Anekdoten zu den Neuseeländischen Eigenheiten wird euch Ken bald liefern.

Auf dem Weg nach Westport machten wir noch Halt bei der Buller Gorge. Die Werbung versprach die längste Hängebrücke Neuseelands und die Möglichkeit, sich nach der Überquerung zu Fuss zurückkatapultieren lassen. Die Schlucht war dann schlussendlich etwa sechs Meter tief, und wir mussten feststellen, dass einem eine Fahrt auf einem Riitiseili den grösseren Adrenalinschub verpasste. Und wieder 30$ weg.
Endlich in Westport angekommen fuhren wir an die Küste um eine Seehundkolonie zu begutachten. Für die neugeborenen Seehunde waren wir leider ein paar Wochen zu früh, aber die Älteren waren auch amüsant genug. Begleitet wurde die Kolonie von einem atemberaubenden Panorama: Strand, Wiese, Wald, Dorf und im Hintergrund schneebedeckte Berge findet man wohl nur hier. Das Meer war leider ein paar Grad zu kalt um ein richtiges Bad zu nehmen, aber Hawaii ist ja nicht mehr weit.
Entlang eines atemberauben Küstenstreifens fuhren wir dann weiter nach Greymouth, wo wir in einem weiteren zum YH umfunktionierten Wohnhaus Unterkunft suchten. Interessanterweise gab es in diesem Haus sogar eine Kapelle, welche wir aber nicht besuchten. Wir beschlossen für das Abendessen wiedermal selber zu 'kochen' und entschieden uns für eine Fertigpizza. :-) Da hätten wir aber besser irgendwas wirklich selber gekocht. wir hatten zu zweit drei verschiedene Pizze probiert und alle waren wirklich grässlich. Zum Glück hatten wir spät Mittag gegessen und hatten somit nicht wirklich einen Riesenhunger. Aber wieder eine Lektion gelernt. Später haben wir uns im Kino noch Eagle Eye reingezogen. Ken war nicht so begeistert ('Story Terminator kopiert'), ich fand den Film top. Gute Action, Spannung und eine starke Message zum Schluss (apropos: der Schluss war mal abgesehen von der Message scheisse...).

Am nächsten Morgen ging es schon wieder ein Stückchen weiter in ein Kaff, welches nach Franz Josef benannt wurde. Es ist nicht das einzige Dorf mit deutschsprachigem Namen, welche aber alle Englisch ausgesprochen werden, was manchmal zu komischen Blicken führt, wenn wir nicht von Fränz Tschoseff sprechen, sondern von Franz Josef. Auf dem Weg dorthin hat Ken zum zweiten Mal Kontakt mit den Vögeln der Landstrasse geknüpft. Ken 2 - Vögel 0.
Im kleinen Dorf angekommen, assen wir in einer lokalen Bar etwas und schauten uns ein Rugbyspiel mit den Locals an. Die All Blacks scheinen wirklich in Form zu sein, denn sie haben das Spiel gegen Schottland ziemlich dominiert und auch verdient gewonnen. (Wie man sieht, finde ich nach drei Wochen langsam Gefallen am Football für richtige Männer.)
Ganz in der Nähe von Franz Josef befindet sich ein bekannter Gletscher, welchen wir eigentlich an diesem Tag noch besuchen wollten. Da es aber an diesem Tag aus allen Kübeln geregnet hat, haben wir uns entschieden einen Spielenachmittag durchzuführen. Eigentlich wollten wir Tivial Pursuit spielen, aber da dem Spiel die Karten fehlten, probierten wir ein anderes Spiel aus: Da Vinci Game. Das Spiel ist Trivial Pursuit sehr ähnlich, anstelle von direkten Wissensfragen, werden aber Rätsel gestellt. Wieder einmal ganz easy Sieg. Wir haben uns danach gegen eine zweite Runde und für eine Runde Scrabble entschieden. Und nochmal supreme victory. Irgenwie scheint Ken sein ganzes Glück und Können auf Poker und Quartett fokussiert zu haben. ;-)
Vor lauter Spielen haben wir es noch verpasst, die lokale Sauna zu besuchen, also spielten wir noch ein paar Runden und wollten am am nächsten Tag doch noch den Gletscher besichtigen. Auf dem Weg ins Landesinnere nahmen wir noch den zweiten Gletscher, den Fox Glacier mit, bevor wir uns durch viele kurvige Strassen den Weg nach Twizel bahnten. Unterwegs haben wir viele kleine Flüsse mit so illustren Namen wie 'Big Bluff' und 'Halfway Bluff' passiert. Leider haben wir verzweifelt einen Fluss mit dem Namen 'Boris' Bluff' oder 'Eric's Bluff' gesucht, aber nicht gefunden.
In Twizel - man spricht es 'Tuaisel' aus, trotzdem musste ich ein unbedingt ein 'Schnitzel in Twizel' probieren', naja - war das Wetter wieder super. Endlich mal ein wenig sünnele. Da Twizel auch ein Riesenkaff war (wie man unschwer feststellen kann, sind eigentlich die meisten Dörfer und Städte hier Käffer ;-) ), haben wir an diesem Abend ein wenig Chinese Poker (Straight Flush in der ersten Hand, just nachdem Ken gemeint hat: 'Das hed eh nie öpper'. Ship it!) gespielt und mit einem Israeli und einer Engländerin geplappert.

Am Morgen früh wollte ich mir noch eine neue, wettergerechte Frisur verpassen. Mit dem Gesichtsrasierer geht das aber ungleich schwerer als mit dem Rasierer für das Haupthaar. Es wurde nichts mit dem Millimeterschnitt, da es entweder alles oder nichts hiess. Da mir aber ein ganz kahler Kopf nicht gefällt, habe ich mich entschlossen einen Mohawk zu rasieren. Aber nicht so einen Beckham-mässigen, halbpatzigen mit Haargel. Dank Kens Hilfe sehe ich jetzt zwar aus wie ein Zürcher Bahnhofsbrückenbewohner, dafür habe ich mal wieder was neues ausprobiert. :-)
Nach dem geglückten Abschluss des Experiments sind wir dann zum höchsten Berg in Ozeanien gefahren (Mt. Cook), haben ein paar postkartenwürdige Fotos geschossen und sind nach einem Umweg nach Lake Tekapo (Gruess an Beat!) nach Queenstown gefahren.

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