Vom National Park Youth Hostel aus, welches im Übrigen schon seit längerem von einer Schweizerin geführt wird, wollten wir eine Wanderung zu den Tama Lakes unternehmen. Beide Seen befinden sich jeweils in einem Vulkankrater. Vom Aussichtspunkt über den oberen Tama Lake soll man auch eine Aussicht auf den Mt. Ngauruhoe haben. Das hört sich jetzt nicht besonders spektakulär an, doch haben wir erfahren, dass dieser Berg in Lord Of The Rings für Amon Amarth - Mount Doom - verwendet wurde. Also wollten wir natürlich diesen Berg einmal live sehen. Teile des Gebietes, durch welches wir dabei gewandert sind, stellten im Film zudem die Ebene von Gorgoroth dar. Also war es durchaus interessant, Mordor einmal bei Tageslicht zu sehen. Die mit 2.5 Stunden angegebene Tour zu den Seen haben wir in etwas weniger als zwei Stunden geschafft und wollten uns dann mit einer schönen Aussicht belohnen. Leider war aber der ganze Berg in Nebel gehüllt, was eine direkte Sicht verunmöglichte. Wir beschlossen also noch ein wenig weiter den Berg hinaufzukrackseln. Wir schafften es bis zum ersten Schnee, wo wir nahe am Abhang zum oberen See eine kleine Schneeballschlacht inszenierten. Ich wollte danach unbedingt noch ein wenig weiter hinauf, um ein schönes Foto zu schiessen. Ken hatte aber keine Lust auf weitere Kletterei (der eigentliche Weg hat schon lange aufgehört, und der 'Pfad' bestand eigentlich nur noch aus Geröll und Schotter), also machte ich mich alleine auf den Weg nach oben. In Lord Of The Rings hat ja Frodo den fetten Hobbit auch irgenwann zurückgelassen, hat also tiptop gepasst. :-P
Nach der ersten Steigung erreichte ich eine leicht ansteigende Fläche und da ich durch die Wolken schon ein wenig Himmelsblau entdecken konnte, beschloss ich, noch ein wenig weiter zu laufen um vielleicht bis über die Nebeldecke zu gelangen. Leider musste ich dann irgenwann feststellen, dass die Nebeldecke wohl auch den Berg erklimmen wollte und mein Unterfangen somit ziemlich sinnlos war. Bei den ersten grösseren Schneeflächen machte ich dann Halt, genoss zuerst die absolute Stille, hörte danach ein wenig Musik (natürlich war ich passend ausgerüstet und habe Amon Amarth gehört ;-) ), ass ein Sandwich, genoss nochmal die Stille und machte mich dann auf den Rückweg, da Ken wohl auch irgenwann mal wieder zurück wollte. Ich lief also wieder zurück und musste bald einmal feststellen, dass sich das Terrain irgenwie einfacher war als auf dem Hinweg. Auch war der obere See nirgends zu sehen. Somit hatte ich mich noch ein wenig verlaufen. Ich versuchte mich also zu reorientieren und fand nach einem kleinen Umweg den ursprünglichen Pfad wieder. Als ich dann Ken weit unten gesehen habe, führte ich noch ein paar Echo-Test durch und machte mich dann zügig auf den Rückweg um Ken noch aufzuholen. Nach einer mittelgrossen Schlammwanderung hatten wir dann am späten Nachmittag unser Auto wieder erreicht. Fazit: sechs Stunden unterwegs, schöne Aussicht nach unten genossen, Null Sicht auf unser Primärziel, mein Knie ist wieder kaputt, unsere Schuhe stinken wie Schweine nach dem Schlammbad und wir durften noch ein wenig Auto fahren.
Gegen Abend erreichten wir dann unser Youth Hostel in Wanganui. Ein sehr kleines, dafür umso heimeligeres Hostel, wo wir ein Zimmer mit einem Österreichischen Tramper teilten, den ich zuerst gar nicht verstanden habe, weil ich sein Österreichisch für einen krassen Akzent von irgenwoher hielt, und nicht daran gedacht hatte, dass es ein Deutscher Dialekt sein könnte. :-)
Da wir beide sehr hungrig nach der Wanderung waren, liefen wir trotz lädiertem Knie und müden Beinen noch durch das 40'000-Seelen Kaff (schon wieder vergessen, dass wir ja mit dem Auto unterwegs sind!), um etwas essbares zu finden. Kurz bevor wir in die erste grössere Strasse einliefen, bemerkte ich zu Ken: "Jetzt soll einfach um die Ecke ein KFC auftauchen! Darauf hätte ich jetzt mega Bock!" Wir kamen also auf die Strasse und was befand sich 20 Meter zu unserer Rechten? Richtig. Ein KFC. Hat uns ein wenig an den Amerikaner im Busan Casino mit dem gesündesten Optimismus erinnert ("Ace please! Thank you!") Die Bedienung war dafür die schwächste, die wir je in einem Fastfood-Laden erlebt hatten - und wir haben da beide ziemlich grosse Erfahrung! Zuerst ging es fünf Minuten, bis die nette Dame uns bediente (sie musste unbedingt noch mit den vorherigen Gästen ein wenig plaudern), dann ging es eine Ewigkeit bis unser Essen kam, sie hat vergessen Ken sein Rückgeld zu geben und in die Burger hatten sie wirklich Null Liebe investiert (ja, auch in einem Fastfood-Laden isst das Auge mit! :-) ).
Tags darauf machten wir uns auf den Weg in die Hauptstadt Wellington. Nach langen rumkurven im Einbahnstrassenlabyrinth haben wir dann irgenwann mal unser Hostel gefunden. Das Hostel war allerdings so gross und bot eine so tolle Infrastruktur, dass es mehr einem Hotel glich als einer Jugendherberge. Die Klientel der Herberge bestand allerdings auch zum grössten Teil aus Senioren und Primarschülern als aus Gästen in 'unserem jugendlichen Alter'.
Nachdem wir unser Zimmer bezogen und etwas gegessen hatten, sind wir zu unserer dritten Lord-Of-The-Rings-Tour angetreten. Der Tourguide war sogar mit einem Laptop ausgerüstet, so dass wir jeweils gleich die jeweilige Szene sehen konnten, die sich an der gegenwärtigen Location abgespielt hatte. Er hatte sogar Requisiten dabei, so dass wir für die Fotos originalgetreu posieren konnten. Nach unzähligen Drehorten sind wir dann noch durch das Gebiet gekurvt, wo Peter Jacksons Produktionsfirma leere Fabrikhallen aufgekauft hat um sie für Dreharbeiten und Requisitenproduktion zu nutzen. Am Ende haben wir noch die Weta Caves besucht. Weta ist für das Design und die Animation in Jacksons (und anderen) Filmen zuständig. Wir konnten also einen Blick auf einige orginale und auch reproduzierte Requisiten werfen.
Nach einem vom Hostel organisierten Indischen Abendessen haben wir uns noch Saw 5 (hat den Coinflip gegen Max Payne verloren. Nicht der einzige Coinflip, den ich an diesem Abend verloren habe. Und von den 3-Outern reden wir nicht mal, gäll Ken! ;-) ) im Kino reingezogen. Der Film gehört wohl zu den besseren der Saw-Reihe, ist allerdings nur sehenswert, wenn man die Vorgänger gesehen hat. Und schlussendlich erfährt man, dass es wohl noch nicht der letzte Teil gewesen sein wird.
Nachdem wir am nächsten Morgen ausgecheckt hatten, haben wir das windige Wellington noch ein wenig durchwandert, welches trotz seiner kleineren Einwohnerzahl doch grösser erscheint als die Millionenstadt Auckland. Die restliche Zeit haben wir uns zum Schluss mit einem Bier, Billard und den Amerikanischen Wahlen totgeschlagen, bevor wir mit Sack und Pack auf die Fähre nach Picton gehüpft sind. Das Abenteuer Südinsel kann beginnen.
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1 comment:
ich hätte gern haarschnittexperimentfotos....
gruss valeria
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