Die 10 Stunden im Zug gingen schnell vorbei und schon bald waren wir in Tokio, DIE japanische Hauptstadt, die Stadt, wo wir endlich überall Sushi essen könnten und somit die letzten paar Tage in Japan auf den McDonald’s verzichten könnten (dachten wir!). In Tokio nahmen wir den Zug Richtung Yokohama und stiegen ein paar Stationen nach Yokohama aus. Denn wir durften bei einer guten Kollegin meiner Mutter die nächsten paar Tage verbringen. Dort angekommen, wurden wir sogleich von unserer Gastmutter abgeholt und wurden von ihr anschliessend zum Nachtessen in einem japanischen Restaurant eingeladen. Leider musste ich erfahren, dass ihre Söhne, die ich seit meiner Kindheit kenne, mittlerweile ausgezogen waren. Als wir im Haus der Gasteltern ankamen, kam einer ihrer Söhne noch vorbei, mit dem ich während meiner Kindheit oft zusammen gespielt hatte.
Trotz ein paar Besonderheiten war unser Aufenthalt bei unseren Gasteltern wirklich super: Wir hatten zwei getrennte Zimmer (so musste ich endlich nicht mehr mitanhören, wie Gubsi in der Nacht „Lauf, lauf, gang, gang!“ herumschrie :)). Dafür hatte ich ein Kühlschrank in meinem Zimmer, der auch ab und zu irgendwelche Geräusche von sich gab, was doch recht mühsam war. Dann bevorzuge ich doch lieber Gubsi’s Geschrei. Zusätzlich hatte ich ein Kissen, das so hart war wie ein Goldklumpen („Stellen Sie sich vor, dies wäre ein Goldklumpen, einfach getarnt als ein Kissen“), ein WC mit Sitzheizung (da wir den warmen Sitz nicht wirklich mögen, haben wir diesen abgestellt, aber unsere Gastmutter beharrte darauf, dass wir diesen laufen lassen sollten, obwohl sie dieses WC nie benutzte), und eine Dusche japanischer Art (man hat einen kleinen Stuhl in der Dusche und sitzt beim Duschen ab).
Unsere Gastmutter war sehr freundlich zu uns und behandelte uns fast schon wie ihre eigenen Söhne: Jeden morgen machte sie Frühstück für uns, das aus Speck, Wurst, Spiegelei, Brot, Früchten, Joghurt, Milch, Kaffee, Orangensaft und SALAT(!!!) bestand (ich hab ehrlich gesagt noch nie Salat zum Frühstück gehabt). Sie chauffierte uns auch jeden Morgen an den Bahnhof, welcher gut 25 Minuten zu Fuss vom Haus entfernt war, und holte uns am Abend vom Bahnhof ab, falls wir vor 23:00 am Bahnhof eintrafen (unsere Gasteltern gehen sehr früh schlafen). Da aber unser letzter Zug sowieso um ca. halb zwölf in Tokio abfuhr, waren wir praktisch immer vor elf am Bahnhof (unsere Gasteltern baten uns, spätestens um 11 wieder daheim zu sein. Keine Ahnung warum, aber wir hielten uns bis auf den letzten Abend immer daran).
Zusammenfassend bleibt folgendes über Tokio zu sagen:
- Teuer, teurer, Tokio: Wie erwartet, war Tokio im Vergleich zu den anderen (japanischen) Städten einiges teurer. Für das Essen bezahlte man mehr, auch für das Kino (1800 Yen, was momentan über 20.- ist), Kleider, etc. Auch die All-you-can-eat Angebote in den Kaiten Sushibars (Bars mit Sushiförderband) waren im Vergleich zu Osaka bis um den Faktor 3 teurer!
- Oeffentliche Verkehrsmittel sind in Japan vor allem in Tokio 1A! Die Aussage, dass Japan sogar ein besseres ÖV Netz als die Schweiz hat, kann ich nur bestätigen. Praktisch jeden Ort erreicht man entweder mit dem Zug, mit der Metro oder mit dem Bus. Auch wenn man kein Japanisch lesen kann, findet man sich irgendwie doch zurecht, da alles super beschriftet ist. Ausserdem sind die Züge sehr pünktlich. Wenn ich dies doch nur auch über die SBB sagen könnte…
- Keine Sushibar an jeder Ecke: Entgegen der Aussage von einigen Leuten, dass es in Tokio an jeder Ecke eine Sushibar hat, konnten wir – man glaubt es kaum - oft kein Sushi Restaurant finden, und wenn doch, dann war es meistens zu teuer. Also entweder waren wir zu blöd oder die billigen Sushibars findet man nur mit einem Geheimtipp. Im Internet hatten wir in einem Forum von einer billigen All-you-can-eat Kaiten Sushibar gelesen. Natürlich wollten wir dort essen gehen. Wir hatten die genaue Adresse, hatten den Ort auch gefunden (siehe Michael’s Eintrag über das japanische Adresssystem), aber die Häuser an diesem Block waren alle abgerissen worden, super!
- Im Zentrum konzentriert sich alles: Wir besuchten verschiedene Regionen in Tokio wie Ueno, Shinjuku, Central Tokio, etc. Uns ist dabei aufgefallen, dass alle Läden und Geschäfte sich um das Zentrum befindet, so dass es dort bis spät in die Nacht lichterloh brennt und viel Bling Bling hat. Entfernt man sich jedoch nur wenige Meter vom Zentrum, dann landet man gleich im grössten Kaff.
- Ohne Ausgang leben die Japaner: Als wir in Korea waren, sagte unser bestest friend Henry, dass die Japaner vom koreanischen Ausgang begeistert sind. Wir wollten ihm das damals nicht glauben, aber heute wissen wir, was er damit meinte: Der japanische Ausgang gibt’s wohl gar nicht. Wir waren in Roppongi, wo die grössten Parties angeblich gefeiert werden. Wir waren extra um 20:00 dort, da wir dachten, dass die Japaner sich um diese Zeit besaufen, dann bis 10 ausnüchtern und um 11 den letzten Zug nach Hause nehmen müssen (ein Taxi von Tokio nach Yokohama kostet 200.-!). Aber selbst das Nachtleben in Zug in aktiver als in Roppongi! Wir fragen uns immer noch, ob der Ausgang für den Durchschnittsjapaner zu teuer ist und sie deshalb einfach nur irgendwelche Private House Parties feiern. Wenn dies so ist, so möchten wir auch mal zu solch einer Party eingeladen werden :)
Abschliessend bleibt noch zu sagen, dass unser Japantrip wirklich gut war (meiner Meinung nach war unser Aufenthalt in Osaka zu lang). Vom Geschichtlichen her bietet Japan doch einiges (Hiroshima, Nagasaki), viele Tempeln (Gubsi ist ein richtiger Tempelfreak geworden. Ich bin jedenfalls froh, dass wir nun kein Tempelhopping mehr machen müssen), schöne Naturlandschaften (Hot Springs, Vulkane, Berge) und viele andere Sehenswürdigkeiten. Meiner Meinung nach gibt es in Japan das beste Essen (Sushi!). Ausgangsmässig aber war Japan wirklich eine Enttäuschung!
Enttäuscht bin ich auch, dass wir die berühmt berüchtigten Porno Läden nicht gefunden haben, von denen uns erzählt wurde. Angeblich findet man dort im ersten Stock normale Erotikfilme, im zweiten Stock geht’s schon eher Richtung Porno. Danach wird es angeblich immer schlimmer bis man schlussendlich bei Sex mit Tieren landet. In diesem Stock befinden sich Automaten, wo man gebrauchte Unterwäsche kaufen kann. Die konnten wir leider nicht besorgen ;-)
Ich bin sicherlich nicht das letzte Mal in Japan gewesen, ich werde sicherlich mal wieder hierher zurückkommen, aber wohl eher nur für Sightseeing. Wenn ich im Ausgang feiern möchte, dann gehe ich definitiv wieder nach Korea (vielleicht schon nächstes Jahr wieder!).
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