Nach einer Reihe von grossen und noch grösseren Städten sind wir nun in Neuseeland angekommen, wo alles ein wenig kleiner ist. Hier gibt es nur 4 Millionen Einwohner (ein Drittel davon lebt in Auckland), dafür gibt es über zehn mal soviele Schafe. Obwohl Auckland eine Millionenstadt ist, kommt man sich nicht wie in einer vor. Alles ist nahe beieinander und gut zu Fuss erreichbar. Zum Glück, denn der ÖV scheint katastrophal zu sein (vielleicht sind unsere Augen auch ein wenig getrübt vom ÖV-Paradies Japan). Ohne einen Chauffeur zu fragen hat man zum Beispiel keine Ahnung, wo man sich auf einer Busreise gerade befindet, da dies im Bus nicht bekannt gegeben wird und die meisten Haltestellen auch nicht angeschrieben sind.
Bevor wir jedoch nur ein bisschen von Auckland sahen, gibt es noch eine ganz kuriose Geschichte zu erzählen: Nachdem ich am Flughafen den Zoll passiert hatte, wartete ich ein paar Minuten auf Ken um anschliessend mit ihm den Luggage-Claim-Bereich aufzusuchen. Da er aber nicht kam, nahm ich an, dass er die Einreiseformalitäten wohl schneller erledigt hatte als ich, da ich noch meinen Itinerary heraussuchen musste, etc. Ich ging also einen Schritt weiter, doch auch da war von Ken nichts zu sehen. 'Gut', dachte ich mir. 'Er wird wohl noch eine WC-Pause eingelegt haben,' was bei Ken meistens der Primärgrund ist, wenn er irgendwo spät auftaucht. Ich stapelte also unser Gepäck auf einen Flughafen-Rolli und wartete. 1 Minute, 2 Minuten, 10 Minuten. Kein Ken. Ich entdeckte noch einen Stand, wo es gratis Kaffee gab (wider Erwarten guter Kaffee). Ich schaute den Koreanischn Schulklassen zu, wie sie ihr Gepäck verstauten. Sogar die Flight Attendants sind inzwischen mit ihrem Gepäck davon gedüst. Kein Ken. Ich schaltete also mal mein Handy ein - welches nach 6 Wochen nun endlich wieder funktionieren sollte - um zu schauen, ob er mir vielleicht eine Nachricht geschickt hatte: Kein Ken. Nach etwa 20 Minuten tauchte dann Ken auf. Ich dachte zuerst, dass er wohl irgend einen falschen Ausgang genommen hat, denn er machte einen ziemlich verwirrten Eindruck. Seine Erklärung war dann aber um einiges aufregender: Er wurde vom Zoll für einen gesuchten Mann (Kim Lee, lol) gehalten und wurde in ein Nebenzimmer zum genaueren Check gebracht. Soviel zu 'Ihr seht alle gleich aus!' :-D
Auckland hatten wir nach zwei Tagen gesehen. Wie schon erwähnt, sind eigentlich alle Sehenswürdigkeiten zu Fuss erreichbar. Interessant war eine Comic-Convention, die genau an diesem Wochenende stattgefunden hat. Hunderte von Jugendliche und auch Erwachsene in den skurrilsten Verkleidungen (meist adaptiert an den persönlichen Comichelden) auf einem Haufen war genau das, was wir eigentlich in Shibuya zu sehen erhofft hatten.
Am dritten Tag konnte unsere grosse Autoreise endlich losgehen. Am Vortag hatten wir ein Auto gemietet, mit welchem wir für die nächsten knapp drei Wochen unterwegs zu sein planten. Das erste Auto, welches wir bei der Vermietung abgeholt hatten, konnten wir nach 200 Metern gleich wieder umtauschen, da die Scheibe auf der Fahrerseite kaputt war. Das zweite Auto war dann tiptop und unsere Reise konnte endlich losgehen. An den Linksverkehr hatten wir uns zum Glück schon in Hong Kong und vor allem in den letzten vier Wochen in Japan gewöhnen können. Aber ein linkes Auto fahren ist dann wieder eine Kunst für sich. Alles - ausser die Pedalen, zum Glück - ist vertauscht. Schon unzählige Male habe ich mit der Hand an die Autotüre geschlagen, weil ich die Gangschaltung betätigen wollte. Der Fakt, dass wir ein automatisches Getriebe haben, vereinfacht zwar den Schaltvorgang, dafür vergessen wir dauernd, dass wir den Hebel mit der linken Hand betätigen müssen. Vertauscht sind auch die Hebel um das Steuerrad: Man blinkt rechts und aktiviert den Scheibenwischer links. Dies hatten wir erst nach ein paar Tagen im Griff. Auch die ganzen Lichtfunktionen sind auf der rechten Seite, was dazu führt, dass wir die entgegenkommenden Autos oft ziemlich spät abblenden.
Wir sind also zuerst in Richtung Norden gefahren, wo wir an der Bay of Islands übernachten wollten. Auf dem Weg hat Ken in einem Touristenheflti noch die Sheepworld entdeckt. Das ist ein Streichelzoo mit riesigem Jöööö-Effekt. Sogar die ganz kleinen Lämmer sind so zutraulich, dass man sie sogar auf den Arm nehmen kann. Die Enten und Hühner verfolgen einem durch den ganzen Park und man wird vor jedem Gehege mit einem 'Määä', 'Ööööh' oder 'Mehehehehe' begrüsst. Zum Schluss entdeckten wir sogar, dass man die Lämmer noch mit einer Babyflasche füttern kann, was für den Ultra-Jööööh-Effekt sorgte. :-)
In der Bay of Islands angekommen, suchten wir eine Jugendherberge auf, spielten eine Runde (Mini-)Tennis und assen in einem sogenannten Schweizer Restaurant.
Für den nächsten Tag hatten wir eine Tour um die Bay gebucht. Nachdem wir den geschichtsträchtigen Ort Russel (erste Englische Siedlung in Neuseeland) besucht hatten, bestiegen wir einen modernen Katamaran und kurvten vier Stunden um die verschiedenen Inseln in der Bay, wo auch Kapitän Cook einst Fuss an Land gesetzt hatte. Highlight der Tour waren dann die Delfine, welche unser Boot für eine Viertelstunde begleitet hatten.
Nach der Tour haben wir uns dann auf die lange Reise nach Rotorua im Zentrum der Nordinsel gemacht. Wir beschlossen so weit wie möglich zu fahren um uns dort eine Mütze Schlaf zu genehmigen. Wir haben sogar die ganze Strecke in einer halben Nacht geschafft, wobei es aber noch einige Worte über Neuseelands Strassen zu verlieren gibt:
Hier gibt es praktisch keine Autobahnen. Die einzigen wirklich breiten, mehrspurigen Strassen sind die Transitstrecken der grossen Städte. Überall sonstwo gibt es nur 'Ausserorts-Strassen'. Allerdings ist auf diesen 100 kmh erlaubt. Da diese Strassen auch sehr gut ausgebaut sind, kann man also ausserorts so schnell fahren, wie auf unserer Autobahn. Es gibt sogar vor jeder Kurve, von welchen es wirklich viele gibt, eine unverbindliche Geschwindigkeitsempfehlung, dh. man kann ohne die Strecke zu kennen, so schnell wie angegeben in die Kurve, und hat nie irgendwelche Probleme. Dazu gibt es auf längeren, engen Strassen ca. alle fünf Kilometer Überholmöglichkeiten, dh. die Strecke wird für ein paar hundert Meter zweispurig um die langsameren Verkehrsteilnehmer zu überholen. Mühsam sind jedoch die vielen Baustellen. Es kann sein, dass für ein paar Kilometer plötzlich der Belag weg ist, und man beinahe mit Schritttempo durch die Wildnis fahren muss. Ebenfalls umständlich ist die erbärmliche Beschilderung der Strassen. Ohne Strassenkarte und/oder Ortskenntnisse ist man ziemlich verloren. In Auckland hätten wir ohne Karte nicht einmal den Weg zum Speedway gefunden. Zudem sind auch Distanzangaben äusserts spärlich platziert. Alles in allem macht aber Autofahren in Neuseeland ziemlich Spass mit den vielen Kurven und dem plötzlichen Landschaftswechsel (Wald, Stein, Stadt, Land, Berg, etc).
Auch das Innerorts-Fahren ist ziemlich gewöhnungbedürftig: Bei Lichtsignalen gibt es nicht nur grün, sondern auch grün-unter-gewissen-Umständen. Obwohl Linksverkehr herrscht, gilt der Rechtsvortritt, aber auch nur, wenn nicht ein Auto geradeaus fährt und das andere irgendwie abbiegt. Zudem scheinen die Neuseeländer ihre Kreisel wie normale Kreuzungen zu behandeln. Dh. wenn einer auf den Kreisel zufährt und um 270° wenden will, blinkt er nach rechts. Wenn er um 180° durch den Kreisel fährt, dann blinkt er nicht (ausser beim Hinaus-Fahren, aber das auch nur sporadisch), wenn er um 90° kehrt, dann blinkt er links. Total unlogisch und nicht-intuitiv für die anderen Verkehrsteilnehmer, aber das scheint hier jeder so zu machen. Mal schauen wann mir das erste Mal nachgehupt wird, weil ich einen Kreisel auf herkömmliche Art und Weise benütze...
Nachdem wir das Auto vor der Haustüre des Youth Hostels in Rotorua parkiert hatten, versuchten wir noch ein paar Stunden zu schlafen bis die Reception öffnete, was in meinem Fall aber ziemlich schlecht ging im kleinen Auto. Wir konnten uns dann um 8 Uhr früh ein Zimmer schnappen und gemütlich duschen, frühstücken, etc. Rotorua hat man wie Auckland nach einem kürzeren Spaziergang gesehen, also hatten wir auch noch Zeit ein wenig Schlaf nachzuholen und die nächsten Tage zu planen.
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3 comments:
Schweizer Restaurant - Heimweh??
Kann man Züri Gschnätslets aus Schaffleisch essen oder habt ihr ein Fondue genossen? Ich kann mir vorstellen, dass es auch Raclette aus Schafskäse gibt. ;-)
Seit ihr nun nach Norden oder Süden gefahren? Rotorua liegt doch im Süden von Auckland und nicht im Norden.
Auch wenn ihr euch jetzt auf der südlichen Halbkugel befindet, die Himmelsrichtungen haben nicht geändert. :-¦
Wir sind zuerst nach Norden gefahren bis zur Bay of Islands und dann über Nacht nach Rotorua, was im Süden liegt. Auch auf der Südhalbkugel. ;-)
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