Tuesday, September 30, 2008

Das Wandern ist des Koreaners Lust

Nach den letzten heissen Tagen in Hong Kong flogen wir mit einem Jumbo Jet nach Seoul. Trotz der Grösse des Flugzeugs hatte ich nicht genügend Platz und konnte nur sehr unbequem sitzen. Von Schlaf konnte erst recht keine Rede sein, da mein hinterer Sitznachbar einen fünfstündigen Hustenanfall hatte und auch noch seinen Nachbar ansteckte. Mein erstes Koreanisches Bier war auch nicht so der Hammer, und so kamen wir völlig übermüdet um halb fünf Uhr morgens in der Koreanischen Hauptstadt an. Dank dem sehr gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetz konnten wir mit einem Shuttle-Bus - den wir auch zuerst finden mussten - bis fast vor die Haustüre von Lynn, Kens Schwester und Ossi ihrem lieben Gemahl fahren. Endlich schlafen...
Nachdem wir ausgeschlafen hatten, wurden wir zu einem Korean BBQ eingeladen. Dies funktioniert folgendermassen: Man legt sich die fein geschnittenen Fleischscheiben auf eine heisse Platte in der Mitte des Tisches und wickelt es schlussendlich mit den Beilagen in ein Salatblatt, welches man dann verschlingt. Nicht fehlen darf bei einem Koreanischen Abendessen der Soju (ein Wodka-ähnliches Getränk) und das Kimchi (Kabis in einer scharfen Sauce). Sehr lecker!

Für den nächsten Tag war eigentlich ein Ausflug an die Koreanische Ostküste geplant. Da Ken aber den Starbucks-Milkshake vom Vortag nicht so vertragen hat *kotz-kotz*, haben wir den Ausflug abgeblasen und ich habe mein Japanisch ein wenig aufgefrischt. Nachdem sich Ken wieder erholt hatte, sind wir in ein Zugerland-ähnliches Shoppingcenter gefahren und entdeckten dabei einen coolen Underground-Shop, wo so ziemlich alles, was kopiert werden kann, auch verkauft wird. "Unser" Shop hatte zwar schon mehrere Razzien hinter sich, aber das Geschäft scheint trotzdem zu laufen - auch dank uns.

Am Sonntag gingen wir der Lieblingsbeschäftigung eines jeden Koreaners nach: Wandern. Wir sind auf einen kleinen Böppel (man frage einen Ostschweizer für die genaue Übersetzung von "Böppel") gewandert um von dort die Aussicht zu geniessen. Unterwegs sind wir hunderten von Eingeborenen begegnet, alle top-ausgerüstet: Wanderschuhe, lange Wanderhosen, Trekking-Jacken, Hut, Sonnenbrille, Wanderstöcke und Atemschutz. Wahrscheinlich waren wir aufgrund unserer Minimal-Ausrüstung (Turnschuhe, that's it) die langsamten auf der Piste.

zu Beginn der Woche mussten wir feststellen, dass praktisch alle Sehenswürdigkeiten unbetretbar waren, was wir nach einer langen Wanderung in der Grossstadt festgestellt hatten. Was einzig offen hatte, war der Park um das War Memorial, wo zuhauf Kriegsmaterial (Flugzeuge, Panzer, Haubitzen, etc) zu betrachten war. Interessant waren vor allem die Denkmäler, welche an den Koreakrieg und die Separation der beiden Länder erinnern. Wie man unschwer erkennen konnte, wünscht sich wohl eine grosse Mehrheit der Südkoreaner eine Wiedervereinigung. Ein gutes Beispiel war eine Statue mit zwei Uhren. Eine zeigt Ortszeit an, die andere die Zeit des Kriegsausbruchs (die beiden Koreas befinden sich offiziell immer noch im Krieg!). Neben der Statue war eine dritte Uhr, welche stillsteht. Zur Zeit der Wiedervereinigung, wird sie mit der Uhr für den Kriegsausbruch, ausgetauscht und soll eben diese Zeit anzeigen. Was für eine Symbolik!

Am nächsten Tag konnten wir dann unsere ersehnte Palasttour machen. Anschliessen sind wir zu einer weiteren Top-Sehenswürdigkeit von Seoul gefahren, einem grossen Tor, welches aber von undurchsichtigen Baugerüsten umgeben war. Wie wir später erfahren haben, wurde das Tor kürzlich von einem Psychopaten niedergebrannt. Bravo!
Danach machten wir noch einen Abstecher in einen kleinen Markt, welcher uns wieder an die Zeit in der Türkei erinnerte.
Am Abend sind wir zur Feier des Tages (Ken und ich dürfen uns ab jetzt offiziell Dipl. Informatik-Ing. ETH schimpfen. Juhuii!) in ein Restaurant mit Super-Aussicht über die Stadt Essen gegangen. Interessant war, dass man bei der Aussicht die TV-Besessenheit der Koreaner bewundern konnte. Überall gibt es Monitore: an Hauswänden, im Lift, in der Subway-Haltestelle, im Subway, im Restaurant, auf dem Mobiltelefon, usw.

Am Mittwoch war Olympiastadion, Olympia-Park und Shopping-Mall Tag. Also eigentlich Rumhängen an speziellen Orten. Vor dem Olympiastadion schien noch das halbe Koreanische Militär Ferien-Abtreten zu haben, was ziemlich eindrücklich war mit den ganzen Standarten, Schwertern (Dekoration), anderen Waffen (wohl zum Gebrauch) und Geschrei. Am Abend gingen wir dann den Koreanischen Ausgang geniessen. Ein Bekannter von Lynn und Ossi hat uns das Koreanische Nachtleben gezeigt, was wir bis morgen früh genossen haben. Henry, you are our first bestest friend! :-D

Da aufgrund des Vorabends der halbe nächste Tag komplett dahin war, haben wir uns am Donnerstag auf das Fussball-WM-Stadion, welches jetzt ein Supermarkt ist, beschränkt. Am Abend haben wir endlich ein Kino entdeckt, in welchem wir The Dark Knight noch nachholen konnten.
Am Freitag kam dann wohl das Highlight des Seoul-Aufenthalts, die Demilitarized Zone zwischen Nord- und Südkorea. Die DMZ ist ein 4km breiter Gürtel zwischen den beiden, im Krieg stehenden Ländern, worin sich nur Friedenstruppen aufhalten sollten. Diese waren dann auch die ersten, welche das Foto-Verbot auch durchgezogen hatten. Leider. Ganz speziell war der Gang durch einen Tunnel, welcher von Nordkoreanern gegraben wurde, um den Gegner zu infiltrieren, für einen knappen Doppelmeter ziemlich anstrengend und trotz Helm mühsam...
Am Nachmittag machten wir noch einen Ausflug auf den Seoul Tower von welchem man eine Rundumsicht auf die ganze Stadt hatte. Zum Glück war an diesem Tag das Wetter zum ersten Mal richtig schön, so dass wir auch die ganze Stadt von oben betrachten konnten.
Am Abend besuchten wir dann eine "Brazilian Night", ein Anlass für Leute die sich in Seoul über Facebook kennengelernt hatten und gerne weiter Leute kennenlernen möchten. Dies ist vor allem für Ausländer in Seoul sehr nützlich um neue Kontakte ausserhalb der koreanischen Sprachbarrieren zu knüpfen. Auch für uns, welche Seoul am nächsten Tag zu verlassen planten, war das ein super Anlass um ein paar neue Leute aus der ganzen Welt kennenzulernen. Es lebe e-Networking!

Die Sauftour (gopferdammi, sind die Sake-Flaschen gross!), welche auf die Brazilian Night folgte, war dann verantwortlich, dass wir den Samstag wieder verpennten und kein Hotel in Busan mehr finden konnten, welches uns für Samstag-Nacht aufnehmen konnte. Somit mussten wir die Zugfahrt nach Busan umbuchen, damit wir Seoul am frühen Sonntag-Morgen verlassen konnten. Die gab uns auch noch eine Möglichkeit, eine zweite "last Night" zu machen, welche allerdings nicht mehr so wild ausfiel, wie die vergangene. Wir genossen noch ein Chinese-Fondue, gingen Bowlen, wo wir uns von einem selbsternannten Anfänger geschlagen geben mussten, und haben den Abend in einer Jazzbar ausklingen lassen.

Am Sonntag hiess es dann Abschied nehmen von Lynn und Ossi (ein liebes Dankeschön nochmal für alles an dieser Stelle!). Wir sind mit dem Zug, welchen wir mit perfektem Timing noch erwischt hatten, nach Busan, ganz im Süden von Südkorea gefahren. Dort sind wir dann im "most cozy and friendly hostel in the world" eingezogen, welches diesen Namen auch verdient. Das Hostel ist eigentlich eine untervermietete Wohnung, in welchem sich Backpackers von überall her aufhalten. Dort haben wir dann auch einen Norweger, zwei Kanadier und zwei frühmorgentliche, weibliche Stimmen kennengelernt, welche ebenfalls auf Asien- oder Weltreise waren, kennengelernt. Am selben Tag haben wir dann noch einen weiteren Tempel begutachtet und haben Koreas berühmtesten Strand, den Haeundae Beach abgelaufen. Um die Zeit bis zum Hunger totzuschlagen, haben wir zwei uns noch im lokalen Casino an den Blackjack-Tisch gesetzt, mit der Idee unser Nachtessen zu finanzieren. Aber eben, -EV, rigged, hübsche Dealerin und so...
Das Abendessen, obwohl nicht fremd-finanziert, war dann doch der Hammer. Koreanisches Sashimi: roher Fisch mit zig rohen Beilagen, von welchen wir nicht bei allen wussten, um was es sich genau handelte. Bewegt hat sich jedenfalls nichts mehr. (Die Interessierten können ja Gaebul und Meonggae nachschlagen. Aber bitte nicht weitererzählen! ;-) )

Unserem letzten Tag in Korea haben wir dann für einen Besuch in der alten Koreanischen Hauptstadt, Gyeong-ju. Die Königsgräber waren leider weniger spektakulär als erwartet (Grashügel). Das Observatorium war interessant, wenn man gewisse Hintergründe kennt. Danach sind wir noch per Bus nach Bulguksa, einer Tempelanlage, welche Terrassenähnlich aufgebaut war, gefahren. Bulguksa schien zudem ein beliebtes Schulreiseziel zu sein, da es mit Primarschülern überfüllt war. Einer hatte mich mit Michael Jackson begrüsst, warum auch immer.
Am Abend haben wir dann noch das Hollywood von Korea am südlichen Ende von Busan besucht, wo es auch eine Art Walk Of Fame gab, flankiert mit Restaurants, Gaming Halls und Kinos. Dort findet auch jährlich das Pusan International Film Festival statt. Dieses haben wir leider um genau eine Woche verpasst.

Am nächsten Morgen haben wir dann Korea per Fähre in Richtung Japan verlassen.

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