Am 30.9. endete unsere Reise durch Korea, was somit auch bedeutete, dass unser Japan Abenteuer endlich beginnen konnte. Am Morgen verliessen wir gemütlich um 11 Uhr unser Dormitory und fuhren mit dem Taxi Richtung Ferry Terminal. Dort angekommen, erfuhren wir, dass die nächste Fähre von Busan nach Fukuoka erst um 14:30 losfahren würde. Somit hatten wir genug Zeit, etwas zu essen und spielten danach noch ein Heads-Up. Die Schlusshand muss ich doch noch erwähnen, welche zeigt, dass der selbsternannte Unluckiest Player Ever einfach doch die grösste Luckbox der Welt ist ;-)
Gubsi auf dem SB raiste wie so oft und ich callte nicely mit K8s. Der Flop brachte KQ4 rainbow und ich check-callte Gubsi's Continuationbet natürlich. Der Turn brachte die 8 und ich checkte nochmals, in der Hoffnung, dass Gubsi nochmals barreln würde. Und tatsächlich bettete er nochmals, worauf ich ihn nicely check-raiste. Ohne lange zu Überlegen stellte er seinen Stack in die Mitte und ich dachte, dass er sowas wie AK, KJ oder im dümmsten Fall KQ halten würde. "Chani nümme ablegge", sagte ich und callte natürlich und Gubsi, der Fisch, flashte K9 offsuit. River: 9 natürlich, was sonst... Soviel zum Thema Unluckiest Player Ever ;-). Momentan steht es im HU 2:2 zwischen uns, dafür führe ich in unserem Quartett- und im Tetrisbattle (ich, der selbsternannte beste Tetrisspieler, führe nur mit einem Punkt, ich Fisch).
Die Fahrt in der Fähre dauerte rund 3 Stunden und wir vor allem Gubsi konnten es kaum noch erwarten, Japan zu betreten. Aber am Zoll mussten wir wie bei den Amis zuerst Fingerabdrücke hinterlassen und ein Foto wurde von allen Einwanderern geschossen. Danach wurde unser Gepäck regelrecht inspiziert: Wir mussten unsere Reisetaschen aufmachen und sie stellten uns tonnenweise Fragen wie "Was macht ihr 1 Monat in Japan, wo ward ihr zuvor, etc.". Gubsi's Inspektor wollte sogar seinen Sack mit seiner dreckigen Wäsche aufmachen, was aber schlussendlich doch nicht tat. Schade :-)
Nach unserem Zoll Abenteuer wollten wir in der nächstgelegenen Bank oder Exchange Stube ein paar Yen wechseln, um etwas zu essen, bevor wir mit dem Shinkansen (ein TGV-ähnlicher Zug) von Fukuoka Richtung Osaka fuhren. Aber da keine Bank mehr geöffnet hatte, mussten wir mit 3000 Yen (ca. 30.-) auskommen, welche ich von zu Hause mitgenommen hatte (Gubsi konnte in der Schweiz damals keinen Yen wechseln).
Am Shinkansen Bahnhof angekommen, holten wir unseren Japanese Railpass (eine Art GA) am Schalter ab, wo Gubsi seine erste Konversation auf Japanisch führen konnte. Zuvor hatten wir schon mehrere Szenarien diskutiert, so à la: Gubsi sagt etwas auf Japanisch, Angestellter antwortet, Gubsi versteht nichts, Gubsi's Hoffnung ist dahin ;-)
Doch es kam anders ;-) Gubsi hatte die kurze Antwort des Bahnangestellten verstanden und war deshalb extrem happy wie eine kleines Kind ("c'mon!" à la Roger Federer).
Wir hatten noch Zeit, etwas kleines zu essen, bevor unsere 2.5 stündige Zugreise begann. Wir suchten uns ein billiges Restaurant am Bahnhof, was uns aber doch 2000 Yen kostete. Da die Busfahrt vom Ferry Terminal zum Bahnhof über 400 Yen betrug, hatten wir also noch genau 600 Yen übrig.
In Osaka angekommen - genauer gesagt in Namba (liegt ziemlich genau im Zentrum von Osaka), wo unser Youth Hostel sich befindet - wollten wir ein Taxi nehmen, da es regnete und wir fast um Mitternacht keine Lust mehr hatten, lange nach dem Hostel zu suchen. Aber dummerweise hatten wir nur noch 600 Yen, was in Japan wohl kaum für ein Taxi reichen würde. Jedoch wiesen die Taxifahrer uns aus einem anderen Grund ab, und zwar deshalb, weil unsere Destination zu Nahe wäre und es für sie nicht lohnen würde, uns dorthin zu chauffieren (so war es auch in Korea). Es blieb uns nichts anderes übrig, als zu Fuss dorthin zu laufen und zu hoffen, dass noch jemand an der Rezeption des Hostels war, weil wir bei der Reservation eigentlich geschrieben hatten, dass wir am späten Nachmittag / frühen Abend ankommen würden.
Zum Glück nahm alles doch noch ein gutes Ende.
Das Youth Hostel ist wirklich super. Unser Zimmer ist in einem japanischen Stil eingerichtet: Wir haben Tatami (so japanische Bodenmatten) im Zimmer und schlafen wie Japaner auf Futons. Betten wie wir sie in westlichen Hostels kennen, haben wir nicht, was wir aber auch nicht wirklich brauchen. Der Preis pro Nacht ist im Vergleich zu anderen Youth Hostels und Hotels auch gut und das Personal ist sehr nett zu uns, wohl deshalb weil wir 8 Nächte hier verbringen. Sie haben uns sogar angeboten, die private Waschmaschine zu benutzen, welche nur für das Personal gedacht ist. Und wenn wir ein Problem haben, kümmert sich der Chef persönlich und sofort darum. Echt klasse!
Nach der langen Schiff- und Zugreise haben wir am nächsten Morgen ausgeschlafen und haben am Nachmittag Namba genauer unter die Lupe genommen. Im nördlicheren Teil von Namba befindet sich die Business-District, d.h. die Firmen und diverse Shopping-Malls und im südlicheren Teil sind viele Restaurants, Bars, Compi-Spielhallen, Kinos, etc. zu finden.
Das Mittagessen fand in einer Sushi-Bar statt. Das Essen war wie erwartet super, der Preis jedoch auch, aber im negativen Sinne. Mehr als 7.- bezahlten wir für ein Bier. Anfangs Reise hatten wir geplant, dass wir pro Tag so ca. 25.- für Mittag und Abendessen ausgeben würden, was in China und Korea auch easy eingehalten wurde, nicht zuletzt da wir, vor allem in Korea, immer wieder eingeladen wurden und somit viel sparen konnten. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die uns eingeladen haben. Kommt aber bitte nicht alle zur gleichen Zeit in die Schweiz in die Ferien, sonst wird es teuer für uns, wenn wir euch alle einladen ;-) In Japan aber müssen wir doch recht lange suchen, bis wir etwas finden, das in unserem geplanten Budget liegt. Bisher endete dies damit, dass wir in einen Supermarkt etwas kleines kauften oder an einem Take-away Stand etwas assen. Eine Alternative ist natürlich wie immer der McDonald's :-) In Japan kostet ein Menü zwar doppelt soviel in China und 50% mehr als in Korea, aber 700 Yen liegt in unserem Rahmen. Gubsi betonte zwar immer wieder, dass er in Japan, in seinem "gelobten Land", nie in den Mac gehen würde. Ich hingegen hatte immer wieder behauptet, dass er nach 4 Tagen Sushi nicht mehr ertragen könne und somit im Mac landen würde. Nach nur 2 Tagen landeten wir im McDonald's ;-) (Es soll aber hervorgehoben werden, dass der Kebabstand schon geschlossen hatte und wir als Alternative in den Mac "mussten"). Aber allgemein ist das Essen hier und auch sonstige Sachen sehr teuer.
Gestern machten wir einen Tagesausflug in Hiroshima und besuchten den Peace Park mit den vielen Denkmälern, die seit dem Abwurf der Atombombe errichtet wurden, resp. entstanden sind (gemeint ist der A-Bomb Dome, der damals eine Fabrik war und nicht ganz von der A-Bombe zerstört wurde und heute unter Denkmalschutz steht). Obwohl wir beide generell nicht so von Museen begeistertet sind, beeindruckte mich das Peace Memorial Museum doch sehr, welches die Hintergründe und die Folgen des Bombenabwurfs zeigt. Obwohl man viele Bilder von zerfetzten und verbrannten Körpern sehen konnte, fand ich ein Bild ganz übel: Auf dem Bild sieht man eine Hand mit 2 abgetrennten Fingern (die Person verlor diese nach der Explosion der Bombe). Wegen der radioaktiven Verseuchung wuchsen später so komische Fingernägel an jenen Stellen heraus, welche wie süsse Lakritze aussahen. Hatte die Person diese abgetrennt, strömte tonnenweise Blut heraus und die Nägel wuchsen wieder nach. Fein, nicht?
Heute fuhren wir nach Himeji und schauten uns einen berühmten Palast an. In Umeda (im Norden von Osaka) gingen wir einen weiteren Palast besichtigen und gingen auf das Dach eines 39 stöckigen Gebäudes, wo wir super Aussicht auf Osaka hatten. Eigentlich müsste man hierfür 700 Yen bezahlen, aber irgendwie haben wir per Zufall einen Lift genommen, welcher uns zum Dach führte, ohne dass wir an der Kasse vorbeilaufen mussten. Da haben wir gleich das Geld für eine Stange Bier gespart ;-)
Bis auf das hier alles teuer ist, sind noch folgende Impressionen und Highlights von den ersten paar Tagen erwähnenswert: Gubsi versucht immer auf Japanisch Fragen zu stellen, aber nicht selten antworten die Angestellten dann auf Englisch. So nach dem Motto: "Der weisse grosse Mann versteht unsere Antwort auf Japanisch eh nicht" ;-), was eigentlich auch stimmt, weil die Japaner sehr schnell reden. Aber trotzdem bin ich sehr froh, dass Gubsi ein wenig Japanisch kann, denn mich sprechen alle auf Japanisch an und ich versteh wirklich rein gar nichts ("aber grad gar nüt!"). Ich konnte heute im Kino nicht mal ein Popcorn mit Butter bestellen ;-)
Ach ja, wenn mich hier in Japan jemand für einen Japaner hält, denn beantrage ich die Japanische Staatsbürgerschaft. Einige Koreaner und sogar einige Chinesen meinten nämlich, dass ich ein Japaner sei. Sehe ich wirklich so japanisch aus?
Seit anfangs der Reise werfen wir gerne unsere Petflaschen aus einigen Metern Entfernung in Mülleimer (es lebe John Stockton!). Gestern bot Gubsi mir ein Menü im Mac an, wenn ich die Petflasche aus ca. 5 Meter Entfernung in einen Mülleimer mit einem wirklich winzigen Loch werfen könne. Gubsi erwähnte sogar, dass er auch keine Gegenleistung möchte, wenn ich nicht treffen sollte ("Du triffsch ja eh ned"). Ich glaubte ehrlich gesagt selbst nicht daran, aber irgendwie flog die Petflasche so perfekt, dass sie im Abfalleimer landete (c'mon!). Ich glaube, wenn es um Mac Frass geht, erreich ich wohl alles. Schade, dass mir niemand 10 Menüs oder so für eine gute Abschlussnote an der Masterarbeit offeriert hatte...
So, morgen gehen wir nach Kyoto, wo wir über 2000 Tempel bestaunen können. Stay tuned.
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3 comments:
Hey Shizzies
Da scheint ihr ja einiges zu erleben. Coole Sache! Ich bin fleissig am Arbeiten. Fertig "gschöggeled"! :) Noch einmal Gratulation zum ETH-Titel! :) Bin gespannt auf ein paar "sicke" Stories aus Japan!
Gruss
Rony
hey rony!
gratuliere dier au zum erfolgriche eth-abschluss! hesch scho stress i dä bude? s'redesign vo dä software scho gmacht?
üs gaht's super guet, dä gubsi isch momentan voll am duredreihe. ich glaub, er isch scho vo dä japanische sickness agsteckt worde (jedoch isch's in japan voll ned sick, sie tüend amigs nur so i dä tv-shows...).
gruess
ken
Sali Rony
dier au no Congratschtz zum Dipl. Inf-Ing. ETH!
In Japan isch d'Sickness eifach en Aura, wo eim umgid. Die gsed mer ned, die gspürt mer! Für de Ken isch die Aura halt inzwüsche scho zimmli normal, drum merkt er nüüd meh. ;-)
Gruess
Michael
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