Am anderen Tag haben wir dann eines dieser Hochhäuser besucht: Das Shanghai World Financial Center ist das grösste Gebäude der Welt (bis zum Dach gemessen). Auf über 490m könnte man die Aussicht über die kleineren Gebäude Shanghais (darunter immerhin auch das Jin Mao Building, das acht-grösste Gebäude der Welt) geniessen. Könnte – wäre das Wetter nicht ausgerechnet an diesem Tag so bescheiden gewesen. Wir konnten froh sein, wenn wir den Huang Pu sahen. Von Aussicht konnte aber keine Rede sein. Schade…
Da wir von Shanghai nicht viel mehr zu berichten haben (ausser das es bisher die dreckigste und stinkendste Stadt auf unserer Reise war), möchte ich ein wenig über die Chinesen und ihre Eigenarten erzählen:
- Die wohl ekligste Unart der Chinesen ist es, überall hinzuspucken. Dabei wird nicht nur der Mund geleert, sondern vorher noch der ganze Hals und die Nase leergekratzt. Immerhin ist das Kratzen ein Vorbote dessen, was gleich kommen wird, so dass man schön dem Geschoss aus dem Weg gehen kann. Ich wurde von Ken zwar im Vornherein darüber informiert, was ich dann aber erlebte, überbot alles. Sogar im Restaurant wurde die Kehle geleert (wenigstens hat der werte Herr nicht gespuckt, aber wenn man beim Essen pausenlos ein ekliges ‚chchchchch’ hört, vergeht einem bald mal der Appetit). Getoppt wurde das nur noch, als ein anderer sogar in einem buddhistischen Tempelbereich seinen Mund geleert hat. Mein persönlicher Favorit bleibt aber der junge Mann, welcher im haltenden Auto schnell die Fensterscheibe runtergekurbelt hatte um seine Spucke loszuwerden. Just in dem Moment als er seinen Kopf rausstreckte, fuhr das Auto los und er verlor seine Brille beim Spucken. Das Auto machte also eine Vollbremsung, damit der Mann aussteigen konnte um seine Brille wieder einzusammeln. LOL Spuckaments.
- Nummer 2 der chinesischen Un- und Abarten ist wohl das bauchfreie Rumlaufen der Männer. Das heisst, das T-Shirt wir einfach bis zum Bauchansatz hochgekrempelt und so wird dann durch die Stadt (oder durch den Park oder durch den Tempel) marschiert. Lustig ist zudem, dass es nur zu funktionieren scheint, wenn man sich schon ein kleines Wohlstandsbäuchlein angefressen hat, denn bisher habe ich nur leicht beleibte Männer gesehen, welche diesem Trend folgten. Hilarious.
- Lustig sind die Chinesen auch, wenn’s ums Anstehen geht. Wenn eine Line nicht explizit ausgesteckt ist, gibt es sie offiziell nicht. Das heisst, wenn sich beim Anstehen eine Lücke bildet, wird diese garantiert von irgendwem geschlossen. Interessant ist aber, dass das Drängeln von Anderen überhaupt nicht geduldet wird und das meist in lautem Ausrufen endet. Interessant wird das vor allem beim Ein- und Aussteigen beim Bus oder der U-Bahn. Da denkt keiner nur eine Sekunde daran, die Leute zuerst aussteigen zu lassen, obwohl überall auf Plakaten darum gebeten wird. Und ich dachte, die Schweizer hätten diesbezüglich keinen Anstand mehr…
- Der chinesische oder der generell der asiatische Verkehr ist ebenfalls erwähnenswert. Die Chinesen haben irgendwie grossen Gefallen gefunden an ihrer Autohupe. Es wird immer und überall gehupt, wenn überholt wird, wenn ein Fussgänger Anstalten macht, die Strasse zu überqueren, wenn die Spur gewechselt wird, etc. Spuren wechseln kann man übrigens auch wo es einem gerade passt: Auf Pannenstreifen, über doppelte Sicherheitslinien, über Sperrflächen, wenn gar keine Spur mehr da ist… Krass ist zudem, dass die Fussgänger absolut keine Rechte zu haben scheinen. Selbst wenn man auf dem Zebrastreifen Grün hat, und ein Auto bei Rot rechts abbiegen will, sollte man ihm den Vortritt lassen. Das hat allerdings auch sein Gutes. Die Chinesen sind sehr vorausschauende Autofahrer. Das heisst, sie können sehr gut antizipieren, wohin sich ein Fussgänger oder ein anderes Auto bewegen wird, was den Verkehr enorm flüssig gestaltet. Somit ist das Überqueren als Fussgänger einer sechsspurigen Hauptstrasse im Zentrum Pekings ohne Zebrastreifen kein Problem (muss ich mir dann unbedingt wieder abgewöhnen in der Schweiz ;-) ). Ausser vielleicht bei Nacht auf nicht so gut beleuchteten Strassen, denn die Chinesen ziehen das Stromsparen häufig der Sicherheit der Verkehrsteilnehmer vor und fahren auch nachts ohne Licht….
- Sehr mühsam sind die Toiletten in China. Sowohl öffentliche Toiletten wie auch in den meisten Restaurants sind meistens nur Plumpsklos, sprich ein Loch im Boden, häufig auch ohne Möglichkeit sich irgendwo festzuhalten. Im Zusammenhang mit dem kürzlich erwähnten Durchfall kann das sehr mühsam werden. Zudem fehlt bei den Toiletten grundsätzlich das Toilettenpapier, da es eh geklaut werden würde. Auch das muss man erst mal lernen…
Nebst diesen - für Westler - Ungewohntheiten sind die Chinesen aber durchwegs freundliche und hilfsbereite Menschen. Auch wenn sie sehen, dass man mit verbaler Kommunikation nicht weiterkommt, versuchen sie immer eine Lösung zu finden. Das ist wohl einer der Gründe, warum wir noch nicht verhungert sind. ;-)
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