Ich werde bald noch einen Tokyo/Japan Summary schreiben und versuche in Neuseeland öfters zu bloggen, obwohl hier I-Net recht teuer ist!
9. Oktober 2008, das war der Tag, an dem wir zurückfuhren (Marty McFly in Back to the Future II). Nein, nicht zurück in die Zukunft oder zurück in die Vergangenheit (wie auch immer), sondern wir gingen zurück nach Fukuoka, an den Ort, an welchem wir am ersten Tag unserer Japanreise mit der Fähre aus Busan angekommen waren.
Es war 9:30 Uhr. Unser Wecker – ein Natel mit dem klassischen Tetris Klingelton (Music A-Type im Gameboy Spiel) – klingelte. Doch wir nahmen den Alarm gar nicht wirklich wahr Unser Hirn schien noch ganz vernebelt zu sein, denn wir hatten zuviel Alk und zu wenig Schlaf. Denn wir hatten am Abend zuvor die grossartige Idee gehabt, im Murphy’s, dem ältesten Irish Pub in Osaka, ein wenig trinken zu gehen.
Angefangen hatte der Abend mit einem Bier , aber als wir feststellten, dass Longdrinks umgerechnet 2.- CHF billiger waren, bestellten wir nur noch diese bis das Pub schloss. Dies geschah um 4 Uhr morgens…Mittlerweile ist es 10 Uhr geworden. Unser Check-Out aus dem Youth Hostel war um 11. Jedoch gab es noch viel zu tun, denn wir mussten noch unsere sieben Sachen packen. Ehrlich gesagt, waren es weit mehr als nur sieben Sachen.
Doch irgendwie haben wir es doch noch geschafft, zu duschen, zu frühstücken und alles zu packen. Gut, es wurde etwa 11:10 Uhr bis wir an der Rezeption waren, aber da die Land Lady sowieso nicht da war, mussten wir ca. 20 Minuten auf sie warten (es hatte sogar locker für eine längere WC-Sitzung gereicht).
Wir nahmen den Shinkansen von Osaka nach Fukuoka. Als wir dort um späten Nachmittag ankamen, hatten wir einen riesen Hunger, so dass Michael unbedingt in einen McDonald’s wollte („Jawohl, du hesch dä Vorschlag bracht!“ ;-)). Wie das Schicksal es wollte, gab es in der Nähe unserer Jugendherberge einen Mac, wo wir gleich unser Abendessen in vollen Zügen genossen und gleich unseren obligatorischen BigMac Test machten:
- Liebe: Liebe? Bei den Japanern sollte mal Monty C. Burns aus Akte Springfield mal vorbeigehen („Ich bringe euch Liebe!“). Der BigMac sah wirklich so aus, als wäre er zuvor auf den Boden geflogen. Ausserdem waren bei mir die zwei Gurken am falschen Ort. Liebe ist also nicht vorhanden.
- Preis: Der BigMac kostet doppelt soviel wie in China und 50% mehr als in Korea. Jedoch ist er im Vergleich mit dem CH-BigMac doch noch ein wenig günstiger. Deshalb kriegt er die Note mittelmässig.
- Genuss: Gubsi und ich sind da unterschiedlicher Meinung. Ich fand den BigMac in Japan nicht so gut wie in Korea/China, aber etwas besser als in der Schweiz (hat mehr Geschmack). Gubsi findet den BigMac etwa gleich gut wie in Korea.
- Grösse: Etwa gleich gross wie der CH-BigMac.
Am nächsten Abend gingen wir mit den Eltern einer Kollegin, welche die Ehefrau eines Arbeitskollegen meines Vaters ist, in einem kleinen aber sehr gemütlichen lokalen Restaurant essen. Das Restaurant liegt in der Nankasu Gegend, einem nationalbekannten Ausgangsort, vor allem für Geschäftsleute.
Der Koch in diesem Restaurant erinnerte uns sehr stark an Hattori Hanzo aus Kill Bill Vol. 1 ;-). Nebst Sushi und Sashimi konnten wir auch viele weitere Delikatessen wie Austern durchprobieren.
Nach dem Essen wurden wir auch noch in zwei Bars eingeladen, darunter war auch die sogenannte „Snack Bar“. In der Snack Bar treffen sich hauptsächlich Geschäftsmänner, was auch impliziert, dass das Getränk nicht gerade billig ist. Doch die „Hauptattraktion“ sind die verdammt hübschen Hostessen, welche im Prinzip Servierdüsen sind, aber sie setzen sich immer zu den Kunden und unterhalten sich mit ihnen. Hostessen sind aber keine Prostituierten, d.h. mehr als eine Konversation wird es normalerweise nicht geben. Später haben wir jedoch erfahren, dass es auch Bars mit Hostessen gibt, welche oben-ohne servieren. Dort kommt es zum Teil mehr als nur zu einer normalen Unterhaltung, aber meist sind es dann russische Hostessen.
Dadurch dass praktisch nur (reiche) Geschäftsmänner sich in solchen Bars herumtreiben, kriegen Hostessen auch viele Geschenke. Es wurde gemunkelt, dass ein russischer Geschäftsmann einer Hostess ein 500'000.- teures Geschenk gab.
In der Snack Bar sass ich neben der Mutter, die mittlerweile schon Grossmutter ist, der Kollegin. Ich denke mal, dass sie ein wenig über 60 sein dürfte, aber beurteilt man sie nur nach ihrem Aussehen, könnte man denken, dass sie etwa Mitte 40 ist. In der Snack Bar hielten mich doch einige für ihren Ehemann. LOL! In Hong Kong wollten sie mich nicht in eine Bar lassen, weil ich unter anderem noch nicht wie ein 18-jähriger aussehe und in Japan halten sie mich für 40!
Da vor allem in den Bars, wo sich Salarymen herumtreiben, viel Karaoke gesungen wird, gab auch Michael eine Session durch und alle waren natürlich begeistert.
Da es schon spät wurde und die Mutter A.K.* am nächsten morgen arbeiten musste, verabschiedete sie sich von uns und der Vater H.K.* lud uns noch in eine andere Bar ein, wo wir später wieder ein Rencontre mit dem Koch Hattori Hanzo hatten. Ein anderer Gentleman, der zuvor ebenfalls im Restaurant war, gesellte sich zu uns. Wir erfuhren, dass sie zwei gute Freunde von H.K. wären und zusammen sehr oft in Bars trinken gehen würden. Diese Truppe ist wirklich der Hammer: Der aktive, fröhliche und immer lustige Hattori Hanzo, der ruhige und sich nicht aus der Ruhe bringende Gentleman und natürlich der coole H.K., von dem man meinen könnte, er sei der Boss der Yakuza.
Nebst dass wir zum Abendessen und zum Trinken eingeladen wurden, haben wir beide noch „ein wenig“ Sackgeld für unsere Weltreise von den K.’s bekommen. Danke vielmals!
Am nächsten Tag gingen wir den grössten aktiven Vulkan, den Mt. Aso, besuchen. Aber wegen der zu hohen SO2 Emission, durften wir den Krater nicht aus der Nähe anschauen. Super, 7 Stunden Zugfahrt für nichts! Umso mehr freuten wir uns auf den Ausgang am Abend im Downtown Tenjin in Fukuoka, wo sich laut den Hostessen Leute in unserem Alter sich herumtreiben sollten. Wir haben den ganzen Abend lang nach einem Pub oder einer Bar gesucht, die nicht gerade für Geschäftsmänner gedacht ist, aber gefunden haben wir rein gar nichts („aber grad gar nüt!“). Wie in China schliessen wir daraus, dass auch die Japaner ihren Ausgang mit Auf-der-Strasse-Herumlaufen oder in den Arcadehalls verbringen, die es wirklich an jeder Ecke gibt.
Wie Michael in seinem Fukuoka Blogeintrag schon erzählt hatte, gingen wir am nächsten Tag den Fukuoka Tower besuchen. Zuvor aber machten wir einen Abstecher zum Yahoo Dome, dem Baseball Stadium der Fukuoka Hawks. Zu Mittag zogen wir Wendy’s (ebenfalls eine Fastfood Kette) dem KFC vor und wir wurden echt nicht enttäuscht. Der Burger war super lecker und so auch die Pommes Frites. Meiner Meinung nach sind die Burger im Burger King aber nach wie vor noch ein wenig besser, aber die Pommes Frites sind genauso gut, wenn nicht besser („Oli, du hettisch diä Pommes Frites sicher au gärn!“).
Den Montag verbrachten wir in Beppu, wo es viele Hot Springs und Onsen gibt. Wie in Korea, wo es oft Unisex Toiletten gibt und es deshalb oft vorkommt, dass ein hübsches Mädel neben einem vorbeiläuft während man gerade am Pinkeln ist, hofften wir „spitzi Sieche“ natürlich auf ein Unisex Onsen-Bad. Obwohl Japan in dieser Beziehung sehr restriktiv ist – in Youth Hostels darf ein Mann nur mit einer Frau im gleichen Zwei-Bett-Zimmer sein, wenn sie verheiratet sind, ROFL! – erfuhren wir, dass solche Unisex Onsen-Bäder zwar existieren, jedoch würden nicht wir die Frauen anstarren, sondern die Frauen uns, weil sich in solchen Bädern nur Grossmüeterlis befinden. Dann doch lieber getrennte Onsen…
Bleibt noch zu erwähnen, dass wir „Lucky Water“ aus einem Brunnen getrunken haben und von nun an ewiges Glück haben.

Bei mir schien dies nicht wirklich geholfen zu haben im Gegensatz zu Gubsi, der in den letzten paar Heads-Up Duellen jeden Coinflip gegen mich gewonnen hatte. Luckbox dank Lucky Water geöffnet, hä?
Nach unserem Tagesausflug in Nagasaki versuchten wir es erneut mit dem Ausgang in Tenjin. Dieses Mal schauten wir im Lonely Planet nach Empfehlungen nach. Gelandet sind wir in der „International Bar“, die ein Deutscher, der vor 2 Jahren nach Japan ausgewandert ist, übernommen hatte. Mit ihm und der hübschen Serviertochter, eine Rumänin aus Kanada, die 1 Jahr lang in Asien herumreist, haben wir viel über das japanische Volk erfahren:
- Obwohl die Japaner eigentlich immer sehr friedlich und freundlich wirken, habe ich von einigen Europäern schon gehört, dass vor allem die ältere Generation zum Teil doch recht ausländerfeindlich ist (was vielleicht ein Grund für die tiefe Ausländer-Quote in Japan sein könnte). Obwohl wir das nicht direkt gespürt haben, haben wir doch schon ein paar Szenarien erlebt, die in diese Richtung gehen könnten: Wenn Gubsi z.B. in einem Restaurant etwas auf Japanisch bestellt und der Kellner stellt ihm eine Gegenfrage, die Gubsi nicht auf Anhieb versteht, weil der Kellner zu schnell gesprochen hat und Gubsi ihn bittet, ein wenig langsamer zu reden, redet der Kellner plötzlich mit mir mit demselben Tempo. Ich meine, was soll das? Wenn ich das ebenfalls verstanden hätte, würde ich Gubsi ja erzählen, was er da gesagt hat. Der Deutsche meinte, das dies damit zu tun hat, dass der Kellner in diesem Fall denkt: „Der Ausländer versteht eh nichts“ und er deshalb gar nicht auf die Bitte eingehen würde. Ähnliches hatte auch der Deutsche Jerry erlebt (er heisst eigentlich Gerald, aber da die Japaner das „L“ wie ein „R“ aussprechen, nennt er sich in Japan Jerry). Obwohl er schon 2 Jahre in Japan lebt und fliessend Japanisch spricht, käme es manchmal vor, dass er folgende Antwort zu hören kriegt, wenn er auf der Strasse einen Japaner nach dem Weg auf Japanisch fragt: „I don’t speak English!“
- Ähnlich wie in den USA ist es auch in Japan so, dass man bei einer Anklage solange als schuldig angesehen wird, bis man seine Unschuld beweisen kann. Ein nicht-japanischer Kollege von Jerry lief einmal bei Grün über einen Zebrastreifen und wurde von einem Japaner auf dem Motorrad erwischt. Sein Kollege lag einige Zeit im Koma und der Gerichtsprozess ging schlussendlich über die 3. Instanz, bis endlich der Japaner für schuldig gesprochen wurde. Als Ausländer hat man es in Japan recht schwer.
- Was uns auch immer aufgefallen war, sind 20-jährige Frauen, die sich wie 10-jährige Schulmädchen verhalten. Auch Jerry bestätigte dies und meinte, dass in Japan die sogenannte „10er Regel“ gelte. Wenn eine Frau sich wie eine 20-jährige benimmt, dann ist sie bestimmt 30 Jahre alt. Ähnlich sieht es auch mit dem Alter bei jüngeren Frauen aus: Wenn man eine Frau für 20 schätzt, dann ist sie ziemlich sicher schon 30. Bei einer Stammkundin in der Bar dachten wir, dass sie ca. 30 Jahre alt wäre. Aber sie war 43 Jahre alt und benahm sich wie eine 20 Jährige.
- Das komische Verhalten der Japaner können wir uns nur damit erklären, dass sie in ihrer Jugend nur Mangas und Animes konsumieren. Oft haben wir auch Geschäftsleute in der Metro gesehen, die Mangas lesen, die z.T. sehr primitiv sind (Schulmädchen wird von einem Ausserirdischen vergewaltigt, etc.). Zum Thema Porno bleibt noch zu sagen, dass es im japanischen Gesetz irgendwo steht, dass Schamhaare und Sex unter Erwachsenen nicht gezeigt werden darf. Deshalb werden diese Stellen in den Filmen immer zensiert (Glied). Theoretisch war also früher laut Gesetz Kinderpornographie erlaubt (wurde afaik aber mittlerweile angepasst).
- Jerry hatte uns noch zwei Vorfällen erzählt, über den einen wurde sogar in unserer Zeitung etwas erwähnt: Ein „normaler“, junger Schüler enthauptete seine Mutter und brachte ihren Kopf mit in die Schule. Ein weiteres Kind hatte den Eltern den Bauch aufgeschlitzt, ihre Eingeweiden rausgenommen und dann ihren Bauch wieder zugenäht. Keine Ahnung, ob das wirklich von den Mangas oder Animes kommt, aber Fakt ist, dass solche Sachen in den primitiven Mangas sicher zu sehen ist.
* Namen der Redaktion bekannt
