Tuesday, October 28, 2008

40 über Nacht

Jaja, ich weiss, ich bin nicht so der aktive Blogger wie Michael. Aber dafür erstell ich nun unseren ersten Post mit Fotos! ;-)
Ich werde bald noch einen Tokyo/Japan Summary schreiben und versuche in Neuseeland öfters zu bloggen, obwohl hier I-Net recht teuer ist!

9. Oktober 2008, das war der Tag, an dem wir zurückfuhren (Marty McFly in Back to the Future II). Nein, nicht zurück in die Zukunft oder zurück in die Vergangenheit (wie auch immer), sondern wir gingen zurück nach Fukuoka, an den Ort, an welchem wir am ersten Tag unserer Japanreise mit der Fähre aus Busan angekommen waren.

Es war 9:30 Uhr. Unser Wecker – ein Natel mit dem klassischen Tetris Klingelton (Music A-Type im Gameboy Spiel) – klingelte. Doch wir nahmen den Alarm gar nicht wirklich wahr Unser Hirn schien noch ganz vernebelt zu sein, denn wir hatten zuviel Alk und zu wenig Schlaf. Denn wir hatten am Abend zuvor die grossartige Idee gehabt, im Murphy’s, dem ältesten Irish Pub in Osaka, ein wenig trinken zu gehen.

Angefangen hatte der Abend mit einem Bier , aber als wir feststellten, dass Longdrinks umgerechnet 2.- CHF billiger waren, bestellten wir nur noch diese bis das Pub schloss. Dies geschah um 4 Uhr morgens…















Mittlerweile ist es 10 Uhr geworden. Unser Check-Out aus dem Youth Hostel war um 11. Jedoch gab es noch viel zu tun, denn wir mussten noch unsere sieben Sachen packen. Ehrlich gesagt, waren es weit mehr als nur sieben Sachen.

(„Ruumed mal uf!“)

Doch irgendwie haben wir es doch noch geschafft, zu duschen, zu frühstücken und alles zu packen. Gut, es wurde etwa 11:10 Uhr bis wir an der Rezeption waren, aber da die Land Lady sowieso nicht da war, mussten wir ca. 20 Minuten auf sie warten (es hatte sogar locker für eine längere WC-Sitzung gereicht).

Wir nahmen den Shinkansen von Osaka nach Fukuoka. Als wir dort um späten Nachmittag ankamen, hatten wir einen riesen Hunger, so dass Michael unbedingt in einen McDonald’s wollte („Jawohl, du hesch dä Vorschlag bracht!“ ;-)). Wie das Schicksal es wollte, gab es in der Nähe unserer Jugendherberge einen Mac, wo wir gleich unser Abendessen in vollen Zügen genossen und gleich unseren obligatorischen BigMac Test machten:

  • Liebe: Liebe? Bei den Japanern sollte mal Monty C. Burns aus Akte Springfield mal vorbeigehen („Ich bringe euch Liebe!“). Der BigMac sah wirklich so aus, als wäre er zuvor auf den Boden geflogen. Ausserdem waren bei mir die zwei Gurken am falschen Ort. Liebe ist also nicht vorhanden.
  • Preis: Der BigMac kostet doppelt soviel wie in China und 50% mehr als in Korea. Jedoch ist er im Vergleich mit dem CH-BigMac doch noch ein wenig günstiger. Deshalb kriegt er die Note mittelmässig.
  • Genuss: Gubsi und ich sind da unterschiedlicher Meinung. Ich fand den BigMac in Japan nicht so gut wie in Korea/China, aber etwas besser als in der Schweiz (hat mehr Geschmack). Gubsi findet den BigMac etwa gleich gut wie in Korea.
  • Grösse: Etwa gleich gross wie der CH-BigMac.

Am nächsten Abend gingen wir mit den Eltern einer Kollegin, welche die Ehefrau eines Arbeitskollegen meines Vaters ist, in einem kleinen aber sehr gemütlichen lokalen Restaurant essen. Das Restaurant liegt in der Nankasu Gegend, einem nationalbekannten Ausgangsort, vor allem für Geschäftsleute.
Der Koch in diesem Restaurant erinnerte uns sehr stark an Hattori Hanzo aus Kill Bill Vol. 1 ;-). Nebst Sushi und Sashimi konnten wir auch viele weitere Delikatessen wie Austern durchprobieren.

Nach dem Essen wurden wir auch noch in zwei Bars eingeladen, darunter war auch die sogenannte „Snack Bar“. In der Snack Bar treffen sich hauptsächlich Geschäftsmänner, was auch impliziert, dass das Getränk nicht gerade billig ist. Doch die „Hauptattraktion“ sind die verdammt hübschen Hostessen, welche im Prinzip Servierdüsen sind, aber sie setzen sich immer zu den Kunden und unterhalten sich mit ihnen. Hostessen sind aber keine Prostituierten, d.h. mehr als eine Konversation wird es normalerweise nicht geben. Später haben wir jedoch erfahren, dass es auch Bars mit Hostessen gibt, welche oben-ohne servieren. Dort kommt es zum Teil mehr als nur zu einer normalen Unterhaltung, aber meist sind es dann russische Hostessen.
Dadurch dass praktisch nur (reiche) Geschäftsmänner sich in solchen Bars herumtreiben, kriegen Hostessen auch viele Geschenke. Es wurde gemunkelt, dass ein russischer Geschäftsmann einer Hostess ein 500'000.- teures Geschenk gab.

In der Snack Bar sass ich neben der Mutter, die mittlerweile schon Grossmutter ist, der Kollegin. Ich denke mal, dass sie ein wenig über 60 sein dürfte, aber beurteilt man sie nur nach ihrem Aussehen, könnte man denken, dass sie etwa Mitte 40 ist. In der Snack Bar hielten mich doch einige für ihren Ehemann. LOL! In Hong Kong wollten sie mich nicht in eine Bar lassen, weil ich unter anderem noch nicht wie ein 18-jähriger aussehe und in Japan halten sie mich für 40!
Da vor allem in den Bars, wo sich Salarymen herumtreiben, viel Karaoke gesungen wird, gab auch Michael eine Session durch und alle waren natürlich begeistert.

Da es schon spät wurde und die Mutter A.K.* am nächsten morgen arbeiten musste, verabschiedete sie sich von uns und der Vater H.K.* lud uns noch in eine andere Bar ein, wo wir später wieder ein Rencontre mit dem Koch Hattori Hanzo hatten. Ein anderer Gentleman, der zuvor ebenfalls im Restaurant war, gesellte sich zu uns. Wir erfuhren, dass sie zwei gute Freunde von H.K. wären und zusammen sehr oft in Bars trinken gehen würden. Diese Truppe ist wirklich der Hammer: Der aktive, fröhliche und immer lustige Hattori Hanzo, der ruhige und sich nicht aus der Ruhe bringende Gentleman und natürlich der coole H.K., von dem man meinen könnte, er sei der Boss der Yakuza.
Nebst dass wir zum Abendessen und zum Trinken eingeladen wurden, haben wir beide noch „ein wenig“ Sackgeld für unsere Weltreise von den K.’s bekommen. Danke vielmals!

Am nächsten Tag gingen wir den grössten aktiven Vulkan, den Mt. Aso, besuchen. Aber wegen der zu hohen SO2 Emission, durften wir den Krater nicht aus der Nähe anschauen. Super, 7 Stunden Zugfahrt für nichts! Umso mehr freuten wir uns auf den Ausgang am Abend im Downtown Tenjin in Fukuoka, wo sich laut den Hostessen Leute in unserem Alter sich herumtreiben sollten. Wir haben den ganzen Abend lang nach einem Pub oder einer Bar gesucht, die nicht gerade für Geschäftsmänner gedacht ist, aber gefunden haben wir rein gar nichts („aber grad gar nüt!“). Wie in China schliessen wir daraus, dass auch die Japaner ihren Ausgang mit Auf-der-Strasse-Herumlaufen oder in den Arcadehalls verbringen, die es wirklich an jeder Ecke gibt.

Wie Michael in seinem Fukuoka Blogeintrag schon erzählt hatte, gingen wir am nächsten Tag den Fukuoka Tower besuchen. Zuvor aber machten wir einen Abstecher zum Yahoo Dome, dem Baseball Stadium der Fukuoka Hawks. Zu Mittag zogen wir Wendy’s (ebenfalls eine Fastfood Kette) dem KFC vor und wir wurden echt nicht enttäuscht. Der Burger war super lecker und so auch die Pommes Frites. Meiner Meinung nach sind die Burger im Burger King aber nach wie vor noch ein wenig besser, aber die Pommes Frites sind genauso gut, wenn nicht besser („Oli, du hettisch diä Pommes Frites sicher au gärn!“).

Den Montag verbrachten wir in Beppu, wo es viele Hot Springs und Onsen gibt. Wie in Korea, wo es oft Unisex Toiletten gibt und es deshalb oft vorkommt, dass ein hübsches Mädel neben einem vorbeiläuft während man gerade am Pinkeln ist, hofften wir „spitzi Sieche“ natürlich auf ein Unisex Onsen-Bad. Obwohl Japan in dieser Beziehung sehr restriktiv ist – in Youth Hostels darf ein Mann nur mit einer Frau im gleichen Zwei-Bett-Zimmer sein, wenn sie verheiratet sind, ROFL! – erfuhren wir, dass solche Unisex Onsen-Bäder zwar existieren, jedoch würden nicht wir die Frauen anstarren, sondern die Frauen uns, weil sich in solchen Bädern nur Grossmüeterlis befinden. Dann doch lieber getrennte Onsen…
Bleibt noch zu erwähnen, dass wir „Lucky Water“ aus einem Brunnen getrunken haben und von nun an ewiges Glück haben.


Bei mir schien dies nicht wirklich geholfen zu haben im Gegensatz zu Gubsi, der in den letzten paar Heads-Up Duellen jeden Coinflip gegen mich gewonnen hatte. Luckbox dank Lucky Water geöffnet, hä?

Nach unserem Tagesausflug in Nagasaki versuchten wir es erneut mit dem Ausgang in Tenjin. Dieses Mal schauten wir im Lonely Planet nach Empfehlungen nach. Gelandet sind wir in der „International Bar“, die ein Deutscher, der vor 2 Jahren nach Japan ausgewandert ist, übernommen hatte. Mit ihm und der hübschen Serviertochter, eine Rumänin aus Kanada, die 1 Jahr lang in Asien herumreist, haben wir viel über das japanische Volk erfahren:

  • Obwohl die Japaner eigentlich immer sehr friedlich und freundlich wirken, habe ich von einigen Europäern schon gehört, dass vor allem die ältere Generation zum Teil doch recht ausländerfeindlich ist (was vielleicht ein Grund für die tiefe Ausländer-Quote in Japan sein könnte). Obwohl wir das nicht direkt gespürt haben, haben wir doch schon ein paar Szenarien erlebt, die in diese Richtung gehen könnten: Wenn Gubsi z.B. in einem Restaurant etwas auf Japanisch bestellt und der Kellner stellt ihm eine Gegenfrage, die Gubsi nicht auf Anhieb versteht, weil der Kellner zu schnell gesprochen hat und Gubsi ihn bittet, ein wenig langsamer zu reden, redet der Kellner plötzlich mit mir mit demselben Tempo. Ich meine, was soll das? Wenn ich das ebenfalls verstanden hätte, würde ich Gubsi ja erzählen, was er da gesagt hat. Der Deutsche meinte, das dies damit zu tun hat, dass der Kellner in diesem Fall denkt: „Der Ausländer versteht eh nichts“ und er deshalb gar nicht auf die Bitte eingehen würde. Ähnliches hatte auch der Deutsche Jerry erlebt (er heisst eigentlich Gerald, aber da die Japaner das „L“ wie ein „R“ aussprechen, nennt er sich in Japan Jerry). Obwohl er schon 2 Jahre in Japan lebt und fliessend Japanisch spricht, käme es manchmal vor, dass er folgende Antwort zu hören kriegt, wenn er auf der Strasse einen Japaner nach dem Weg auf Japanisch fragt: „I don’t speak English!“
  • Ähnlich wie in den USA ist es auch in Japan so, dass man bei einer Anklage solange als schuldig angesehen wird, bis man seine Unschuld beweisen kann. Ein nicht-japanischer Kollege von Jerry lief einmal bei Grün über einen Zebrastreifen und wurde von einem Japaner auf dem Motorrad erwischt. Sein Kollege lag einige Zeit im Koma und der Gerichtsprozess ging schlussendlich über die 3. Instanz, bis endlich der Japaner für schuldig gesprochen wurde. Als Ausländer hat man es in Japan recht schwer.
  • Was uns auch immer aufgefallen war, sind 20-jährige Frauen, die sich wie 10-jährige Schulmädchen verhalten. Auch Jerry bestätigte dies und meinte, dass in Japan die sogenannte „10er Regel“ gelte. Wenn eine Frau sich wie eine 20-jährige benimmt, dann ist sie bestimmt 30 Jahre alt. Ähnlich sieht es auch mit dem Alter bei jüngeren Frauen aus: Wenn man eine Frau für 20 schätzt, dann ist sie ziemlich sicher schon 30. Bei einer Stammkundin in der Bar dachten wir, dass sie ca. 30 Jahre alt wäre. Aber sie war 43 Jahre alt und benahm sich wie eine 20 Jährige.
  • Das komische Verhalten der Japaner können wir uns nur damit erklären, dass sie in ihrer Jugend nur Mangas und Animes konsumieren. Oft haben wir auch Geschäftsleute in der Metro gesehen, die Mangas lesen, die z.T. sehr primitiv sind (Schulmädchen wird von einem Ausserirdischen vergewaltigt, etc.). Zum Thema Porno bleibt noch zu sagen, dass es im japanischen Gesetz irgendwo steht, dass Schamhaare und Sex unter Erwachsenen nicht gezeigt werden darf. Deshalb werden diese Stellen in den Filmen immer zensiert (Glied). Theoretisch war also früher laut Gesetz Kinderpornographie erlaubt (wurde afaik aber mittlerweile angepasst).
  • Jerry hatte uns noch zwei Vorfällen erzählt, über den einen wurde sogar in unserer Zeitung etwas erwähnt: Ein „normaler“, junger Schüler enthauptete seine Mutter und brachte ihren Kopf mit in die Schule. Ein weiteres Kind hatte den Eltern den Bauch aufgeschlitzt, ihre Eingeweiden rausgenommen und dann ihren Bauch wieder zugenäht. Keine Ahnung, ob das wirklich von den Mangas oder Animes kommt, aber Fakt ist, dass solche Sachen in den primitiven Mangas sicher zu sehen ist.

* Namen der Redaktion bekannt

Sunday, October 26, 2008

Klein-Ken und Klein-Michael in Gross-Tokyo

Die Reise nach Tokyo bestand aus rund elf Stunden Zugfahren. Dieses Mal konnten wir Hokkaido, den nördlichen Teil von Honshu und die Tokyo-Area bei Tageslicht betrachten. Sehr witzig war die Ankunft und Abfahrt in Aomori. Im Gegensatz zu unserem ersten Eintreffen in Aomori auf der Hinfahrt nach Sapporo waren wir jetzt aber gewarnt: Aomori ist ein Sackbahnhof, dh. nach Erreichen des Ziels muss der Zug irgendwie wenden. Aussen ist das einfach: Man hängt die Front-Lokomotive ab und hängt eine neue hinten an, resp. man fährt mit der alten Lok an die neue Zugsspitze und verbindet sie mit der Last (auch hier gilt: wer gerne lernen möchte, wie man mit Güterzügen rangiert: Verkehrshaus in Luzern). Was geschieht jedoch im Innern des Zugs, wo die Sitze prinzipiell in Fahrtrichtung ausgerichtet sind? Man wendet sie! In Japan ist es in wohl in allen Zügen möglich, die Sitzkombinationen um 180° zu wenden. Dieses ganze Szenario ist so wichtig. Der Japanische Zugfahrer verhält sich eigentlich meistens äusserst ruhig (ausser Schulklassen und Pro-Senektute-Reisen). Man liest, hört Musik, arbeitet, starrt zum Fenster raus, unterhält sich höchstens leise mit seinem Sitznachbarn, telefoniert auf keinen Fall im Zug (Dies ist explizit unerwünscht! Telefoniert wird im Zwischenraum zweier Waggons.). Dann kommt der Bahnhof von Aomori. Alles springt von den Sitzen, einige steigen aus, andere steigen ein, der Rest verstaut sein Gepäck an irgendwelchen temporären Ablageflächen, man bringt die Rückenlehnen wieder in eine vertikale Lage, dreht seine Sitzkombination um 180°, sucht seine Wertsachen und sein Gepäck wieder zusammen, diskutiert, wer jetzt vorhin wo gesessen ist, quetscht sich zwischen gestikulierenden und re-arrangierenden Fahrgästen hindurch, verstaut sein Hab und Gut wieder, wo man es später wieder findet, setzt sich wieder hin und versucht so schnell wie möglich eine unauffällige, ruhige Sitzposition wieder einzunehmen. Da natürlich jeder der erste sein will, gibt das ein Riesenchaos, vor allem wenn gewisse Fahrgäste noch schlafen und gar nicht realisieren, was eigentlich abgeht und so natürlich seine ganze Nachbarschaft im Wettbewerb behindert.

Dabei sei vielleicht das Zugfahren in Japan allgemein noch erwähnt. Ich habe vor meiner Reise gewusst, dass die Schweizer in Sachen ÖV nur zweitrangig sind. Aber dass wir so weit hinter der Nummer 1 sind, hätte ich nicht gedacht! In Japan gibt es für die langen Strecken (Nein, Zürich - Genf ist keine lange Strecke!) die Shinkansen, welche mit bis zu 300km/h durch das Land donnern, bei den Shinkansen wird dann noch zwischen 'Regionalzug', welcher an jeder Shinkansen-Haltestelle kurz wartet, 'Normal' (hält an den wichtigsten Bahnhöfen) und 'Limitiert' - vielleicht ein Zwischenhalt pro Strecke - unterschieden. Nach unserer ersten Shinkansen-Fahrt (bei unserer Ankunft von Hakata nach Osaka) habe ich mir noch gedacht 'Ok! Japan wird die Nummer 1 sein, weil ihre Interregios einfach schneller sind und cooler aussehen.' Zusätzlich gibt es jetzt aber noch 'Limited Express' in den einzelnen Landesteilen, welche dort die wichtigsten Städte miteinander verbinden - vergleichbar mit unserern Interregios. Dann gibt es noch die Regionalzüge, welche wirklich in jedem Kaff anhalten. In den grösseren Städten gibt es dann noch Züge, auf einem Netz wie bei uns ein grobes Bus- oder Tramnetz, welche die Leute von der ganzen Metropolitan Area ins Stadtinnere bringen. Für den Verkehr innerhalb der Stadt sind dann die Subways und die Busse/Trams zuständig. Und dies bei einer Fahrplandichte, bei welcher es sich lohnt einfach mal an die nächste Haltestelle zu laufen - es kommt ja eh grad etwas. Hinzu kommt noch, dass der Komfort wirklich 1A ist. Ausser bei den Kaff-Regionalzügen lässt sich, lassen sich bei allen Zügen die Sitzlehnen einstellen, manchmal sogar noch die Kopfstütze und das Sitzpolster. Und Platz ist meistens auch genügend da, dass sich ein knapper Doppelmeter wie ich nicht zuerst eine halbe Stunde wenden muss, bis er die einzige bequeme Schlafposition gefunden hat. Da fahre ich lieber in einem Japanischen Regionalzug als in einer Boeing 747. Was es als einziges anzukreiden gibt, ist dass alle Züge extrem unruhig in den Schienen liegen. Sogar im Shinkansen 'Superexpress' muss man sich festhalten, wenn man kurz aufs Klo laufen möchte und nicht beim Nachbarn im Schoss landen will.

Nachdem wir unseren letzten zug verlassen haben, wurden wir an einem Bahnhof in den Yokohama Outskirts bereits von einer Freundin von Kens Mutter, bei welcher wir die Zeit in Tokyo verbringen konnten, abgeholt. Nach einem kurzen Nachtessen fuhren wir noch nach Yokohama um dort unseren Railpass zu verlängern und um das Zentrum ein wenig anzuschauen.

Tag 1 in Tokyo bestand dann zuerst einmal in der Orientierung in der Riesenmetropole. (Die Metropolitan Area von Tokyo umfasst rund 30 Millionen Einwohner, einzigartig auf der ganzen Welt.) Mit einer Kombination von Lonely Planet, Stadtkarte und Subwaymap haben wir uns dann bald einmal zurecht gefunden. Wir haben den Garten des kaiserlichen Palasts besucht, sind die Ginza ('Bahnhofstrasse' von Tokyo) hinauf und hinuntergelaufen und haben uns in eine Elektro-Goods-Neighbourhood in Akihabara begeben. Zum Schluss sind wir noch ein preiswertes Sushirestaurant gesucht, welches wir dann in den Tokyo Suburbs auch gefunden haben.
Am Tag darauf haben wir uns den Norden von Tokyo vorgenommen. Zuerst haben wir den umstrittenen Yasukuni-Jinja besucht. Er soll an Japans Kriegstote seit 1853 erinnern. Umstritten ist er deshalb, weil sich unter diesen Toten auch einige Kriegsverbrecher befinden. Auch besuchen einige Japanische Politiker jährlich den Schrein, was besonders im nahen Ausland auf herbe Kritik stösst. Später sind wir dann nach Ueno gefahren, wo wir einen Markt für allerlei Kitsch und Ramsch (und Oldschool-Trainerhosen!) gefunden haben. In Asakusa - im Nordosten Tokyos haben wir beim Senso-ji vorbeigeschaut. Zum Schluss sind wir noch nach Ikebukuro gehoppst, wo sich zwei der grössten Einkaufszentren der Welt befinden. In Sunshine City - 'A city inside a building' - haben wir dann etwas zum Essen gesucht und ein Konzert einer Japanischen Boygroup gefunden. Jesses Gott, können die Japanischen Mädchen kreischen. Vom dritten Stock aus habe ich dann mein erstes Bootleg gemacht. Zwei Lieder, eins davon scheint ein topakuteller Hit zu sein. Die Gitarrenklänge des Strassenmusikanten auf dem Weg zum Bahnhof haben mir zwar weitaus besser gefallen, aber das interessiert ja eh niemanden...
Zum Abschluss des Tages sind wir noch durch das Rotlichtmilieu in Kabukicho gewandert. Da wir ein Rotlichtbezirk wie in Amsterdam erwartet hatten, wurden wir leicht enttäuscht. Es hat zwar auch viele Afrikaner, die haben einem aber keine Drogen angeboten, wollten einen jedoch unbedingt in ihre zwielichten Etablissements locken. Dazu viele besoffene Geschäftsmänner. Die einzigen, die nicht frei herumlaufen, sind die Prostituierten. Und um die gehts ja eigentlich...

Am Donnerstag war der Westen Tokyos dran. Shibuya ist wohl der belebteste Teil Tokyos. Nach den vielen Leuchtreklamen und Videoschirmen sind wir kurz durch den Love Hotel Hill gewandert, der allerdings nicht ganz das gehalten hat, was der Reiseführer versprochen hat. Danach sind wir dem Vorschlag unserer Gastmutter gefolgt und haben einen Rundgang im NHK-Studio gemacht. Der Teil, den wir verstanden haben, war durchaus interessant. Man konnte sogar live-Shows beobachten und selber bei 'staged shows' mitmachen. Da allerdings ziemlich viele Schulklassen unterwegs waren, haben wir das mitmachen den Kindern überlassen und auf das jeweilige anstehen verzichtet.
Anschliessend sind wir durch den Yoyogi-Park spaziert. Im Yoyogi-Park soll es regelmässig Versammlungen von Cosplay-Fanatikern geben. Als Cosplay beziechnet man das detaillierte Verkleiden nach Vorbild von hauptsächlich Manga-Charakteren. Leider haben wir nur ein paar Studenten gesehen, die für eine Theateraufführung geprobt hatten. Wir nahmen uns deshalb vor, am Wochenende nochmals herzukommen.
Gleich neben dem Yoyogi-Park befindet sich Meiji-Jingu, der wohl wichtigste Schrein in Tokyo aus der Meiji-Ära. Dort konnten wir wieder einmal das Verhältnis der Japanern zur Religion begutachten: vor unserer Reise dachte ich, dass Japan ein sehr fortschrittliches Land sei und die Religion eher nebensächlich sei. Dem ist aber überhaupt nicht so. Die Japaner spenden den Buddhistischen Gottheiten vor jedem Gebet Geld, opfern praktisch an jeder Statue ein paar Yen, stellen den ihnen Sake und Bier zur Verfügung. Sie bezahlen sogar dafür, dass sie ihre Gebete an Bäumen aufhängen dürfen. Naja, jedem das seine.
Nachdem wir vor dem Regen in ein Kino geflohen sind ('Be Kind, Rewind', witzige Komödie), haben wir noch den Tokyo Tower beklettert, von welchem man eine schöne Rundumsicht auf die Stadt hat. Vor allem bei Nacht ist die Sicht wirklich lohnenswert.

Am Freitagmorgen haben wir uns ziemlich früh in Richtung Tokyo aufgemacht, mit dem Ziel den Tsukiji-Fischmarkt zu besuchen. Leider hatten wir keinen Zug um bereits um 5 Uhr morgens für die Fisch-Auktion vor Ort zu sein, aber auch der anschliessende Markt war absolut sehenswert. Überall wurden Fische, Krabben, Muscheln und anderes Seegetier an die Shops und Restaurants verkauft. Zwischen den Ständen zischten kleine Transportkarren durch um die Ware hin- und her zu transportieren. Nachdem wir genug Fische gesehen hatten, wollten wir auch welche essen. Also sind wir zur nächsten Preiswerten Sushibar gelaufen und haben den wohl frischsten Fisch zum Frühstück gegessen.
Nachdem wir zu Hause unsere Wäsche gemacht haben, haben wir uns entschieden, den Abstecher nach Kamakura auf Samstag zu verschieben, da das Wetter immer noch ziemlich schlecht war. wir sind am selben Abend aber noch an den Hafen von Yokohama gefahren. Dort gab es eine Art Chilbi mit einer kleinen Achterbahn, einem Riesenrad und einigen weiteren Attraktionen. Das Riesenrad verfügte über eine Lichtshow, die man bis nach Tokyo sehen kann. Nach dem für Japanische Verhältnisse recht grossen Steak sind wir dann nach Hause gefahren, resp. gelaufen. Dh. wir haben einen Bahnhof gesucht und sind dafür ziemlich lange gelaufen, bis wir einen gefunden hatten. Nachdem wir dann noch zweimal in die falsche Richtung gefahren sind, haben wir es dann doch noch nach Hause geschafft.

An unserem letzten ganzen Tag in Japan sind wir südwärts nach Kamakura gefahren. Kamakura war Anfangs des letzten Jahrtausends einmal kurz die Hauptstadt von Japan. Als Überbleibsel sieht man eine grosse Anzahl von Schreinen und Tempeln. Den wichtigsten - Engagku-ji - haben wir gleich zu Beginn besucht. Neben ein paar Häusern und ein paar schönen Gärten beinhaltet er ebenso eine grosse Glocke, die sogar unter Denkmalschutz steht. Der zweite Tempel war seine 100 Yen Eintritt absolut nicht wert, da es ausser dem geschichtlichen Hintergrund überhaupt nichts interessantes zu erfahren gab. Dafür haben wir kurz darauf das erste Mal auf unserer Reise einen Schweizer getroffen, mit dem wir nicht bewusst abgemacht haben. Es scheint also doch noch welche zu geben, auf der anderen seite der Erde. Nach diesem kurzen Treffen haben wir eine kleine Wanderung zum Zeniarai-benten gemacht. Wer in diesem Tempel sein Geld wäscht, soll es der Legende nach vervielfacht zurückbekommen, sobald er es einmal ausgibt. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, da wir auf unserer Reise auf jeden Cent angewiesen sind. Nach diesem Akt der Gier haben wir den zweitgrössten Buddha in Japan besichtigt (den grössten hatten wir bereits in Nara gesehen) und haben unseren letzten asiatischen Tempelbesuch getätigt. Der Tempel war ganz interessant, da er mit tausenden von kleinen Statuen verziert war.
Nach Kamakura sind wir wieder in Richtung Shibuya gereist, in der Hoffnung nun endlich die Cosplay-Leute zu sehen. Da es aber bei unserer Ankunft bereits dunkel war, konnten wir keine lustig verkleideten Leute mehr ausmachen. Dafür haben wir noch eine Art Feed-The-Earth-Festival entdeckt. Ich bin eigentlich nicht so ein Fan von so alternativen Conventions, aber die Musik ist meistens gut und so war es auch da, als eine Band eine starke Percussion-Performance hingelegt hatte.
Nach Shibuya sind wir dann noch nach Ropongi, wo wir endlich wieder einmal ein paar Bier geniessen konnten. Daher können wir auch noch ein Fazit ziehen: Der Japaner unter 30 scheint nicht in den Ausgang zu gehen, resp. verbringt ihn in Spielhallen oder auf der Strasse mit herumlaufen. Das hat wohl zum einen damit zu tun, dass sich wohl niemand in dem Alter regelmässig Ausgang in Japan leisten kann und wohl auch damit, dass es in den Japanischen Grossstädten keine Nachtbusse/-subways/-züge gibt. Es gehen also alle um 11 Uhr wieder nach Hause. In Bars - wenn man überhaupt welche findet - findet man meistens ältere Japaner oder Touristen. Das sah in Korea definitiv anders aus. ;-)

Am Sonntag hiess es dann Abschied nehmen von unseren Gasteltern, die sich so liebevoll um uns gekümmert haben, von Japan und auch vom ganzen Ostasiatischen Raum, in welchem wir die letzten knapp zwei Monate verbracht haben.
Fast wäre der Abschied noch in die Hose gegangen, weil wir anstatt einen Fahrplan anzuschauen einfach in den erstbesten Zug gestiegen sind, welcher in Richtung Flughafen gefahren ist. Dummerweise kehrte der dann ein paar Stationen vor Schluss wieder um und wir konnten eine Stunde auf einen Anschlusszug warten. Wir konnten zum Glück gerade noch zum 'Last Call' zum Check-in hüpfen und erwischten unseren Flug nach Auckland, NZ.

Monday, October 20, 2008

Der kühle Norden

Die Reise von Hakata nach Sapporo war die längste Reise, die wir beide am Stück je getätigt haben. 17 Stunden Zugfahren inkl. drei mal Umsteigen. Dabei haben wir die halbe Strecke mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen zurückgelegt und sind von Nord-Honshu nach Hokkaido durch einen fünfzig Kilometer langen Unterwassertunnel gefahren. Am Bahnhof in Sapporo angekommen, haben wir uns dann geeinigt, dass wir ein Taxi zum Youth Hostel nehmen, da wir zwar wussten, dass das YH gleich neben einer Subway Station lag, jedoch nicht neben welcher. Wir hatten nach 11 Uhr abends keine Lust mehr unser Hostel auf eigene Faust zu suchen, vor allem weil uns mitgeteilt wurde, dass wir vor 12 Uhr da sein müssten. Wir haben also den erstbesten Taxifahrer angehauen, ob er uns zum Youth Hostel fahren könne (wir haben den Namen des Hostels, die komplette Adresse und eine Telefonnummer, was ja eigentlich reichen sollte zur eindeutigen Identifizierung unseres Ziels). Der Taxifahrer hatte dann natürlich keinen blassen Schimmer, wo das YH sein könnte. Er hat dann einen Kollegen gefragt, welcher auch keine Ahnung hatte. Schlussendlich hatte sich ein rege diskutierende Taxifahrertraube gebildet, die sich aus der Adresse etwas zusammenreimen versuchten. Dazu muss man vielleicht anmerken, dass die Japanischen Adressen (im Gegensatz zu den Koreanischen, welche keine Strassennamen kennen) sehr logisch aufgebaut sind: Jeder Stadtteil ist in Districts eingeteilt eingeteilt. Diese wiederum in Blocks, welche aus verschiedenen Häusern bestehen. Als total unwissender muss man also eigentlich nur den Stadtteil kennen und kann dann systematisch die Blocks abgrasen (oder einen Local fragen). Dazu sei noch erwähnt, dass hier fast jedes Taxi ein Navigationsgerät besitzt. Die ganze Diskussion hat uns ein wenig an die Suche nach Passierschein A39 erinnert. Jedenfalls ist unser Taxifahrer dann plötzlich voller Überzeugung losgefahren. Mir ist die Richtung dennoch ein wenig komisch vorgekommen und habe ihn gefragt, ob wir nach Süden fahren (wir wussten, dass das YH im Südosten liegt, jedoch ziemlich weit ausserhalb des Stadtzentrums). Er hat das dann bejaht, ist einmal um einen Block gefahren und hat dann angehalten. Nach einigen Hmms, Ooohs und Tssss ist ihm dann die Idee gekommen, einfach mal beim Hostel anzurufen. Die haben ihm dann den Weg erklärt, welchen er dann auch auf Anhieb gefunden hatte (ca. 20 Minuten vor Receptionsschluss). Das Youth Hostel war dann aber Topklasse. Alles war sehr sauber, es gab eine Küche, einen grossen Essbereich, eine Laundry, ein japanisches Bad, TV, Safes, Getränkeautomaten, etc. Der einzige Minuspunkt war, dass es zwischen 12 Uhr nachts und 6 Uhr morgens keinen Einlass ins Hostel gab. Wir mussten uns also jeweils entscheiden, ob der Ausgang kurz oder über die ganze Nacht hindurch dauern sollte.

Am ersten Tag haben wir Sapporo angeschaut. Sapporo liegt ungefähr auf der geographischen Höhe der Schweiz. Das Herbstklima ist demnach ähnlich kühl und windig. Da Sapporo für Sightseeing-Touristen nicht allzu viel zu bieten hatte (Hokkaido ist eher das Wanderparadies von Japan), haben wir uns entschieden noch den botanischen Garten (nicht wirklich lohnenswert für Leute, die in ihrem Leben schon andere Blumen als Ankeblüemli und Maieriisli gesehen haben) und die Hokkaido Universität (eine der führenden Unis in Japan) zu besuchen. Wir wollten da eine Vorlesung besuchen, jedoch haben wir praktisch nur Seminarräume und Laboratorien, aber keine Vorlesungssäle gefunden. Dafür haben wir eine Deutschvorlesung für Japaner gesehen!
Am Abend entschlossen wir uns dann eine langgezogene Beizentour zu machen. Wir blieben dann aber gleich in der 500 Bar (alles für 500 Yen - ein Schnäppchenpreis) hängen. Als die dann zugemacht hat, haben wir in einer anderen, winzigen Bar den enthusiastischsten Japaner kennengelernt, der von jeder einzelnen unserer Stories so begeistert war, dass er fast von seinem Stuhl geflogen wäre.
Morgens um sieben machten wir uns dann auf den Rückweg und pennten den ganzen Tag durch, so dass wir den geplanten Besuch des Wintersportmuseums verschieben mussten.

Der letzte Tag in Sapporo war somit wieder ziemlich eng verplant. Wir besuchten das Wintersportmuseum doch noch, welches jedoch eine ziemliche Enttäuschung war. Praktisch nur die Skisprungschanze erinnerte noch an die Olympiade '72. Dafür waren die verschiedenen Wintersportsimulation spassig und den Eintritt mehr wert als der Rest des Museums.
Nach dem Museumsbesuch sind wir dann gleich zum Bahnhof um in Richtung Toya - südlich von Sapporo - zu fahren. Dort hat uns Mt. Usu erwahrtet, ein immer noch aktiver Vulkan. Im Gegensatz zu Mt. Aso konnten wir ziemlich nahe an die dampfenden Krater herangehen. Wir sahen auch die Überbleibsel eines mittelgrossen Hauses, welches dem letzten grösseren Ausbruch zum Opfer gefallen war.

Am nächsten Tag war dann wieder langes Zugfahren angesagt, denn wir machten uns auf die Reise in Richtung unserer letzten japanischen Station: Tokyo.

Wednesday, October 15, 2008

Dschipfu, dschipfu, d'Isebahn chund

An unserem letzten Tag in Osaka sind wir nach Spa World gefahren. Spa World besteht aus fünf Stockwerken voller Bäder, wobei das oberste Stockwerk ein paar kleine Wasserrutschen hat und die unteren vier für Gesundheitsbäder reserviert sind. Wir sind zuerst ein wenig im Funbereich rumgeschwommen um dann für die letzten anderthalb Stunden im Spa zu entspannen.
Am Abend haben wir dann endlich ein kleines Pub gefunden, wo wir dann bis spät in die Nacht geblieben sind. Angesichts der langen Reise am nächsten Tag war es vielleicht suboptimal, den grossen Ausgang auf den letzten Abend zu verschieben, aber gelohnt hat es sich trotzdem.
Wir sind also am nächsten Tag mit dem Shinkansen nach Fukuoka gefahren um im Fukuoka Youth Hostel einzuchecken. Müde wie wir waren, haben wir nur noch ein wenig die Nachbarschaft auskundschaftet. Dort haben wir einen Secondhand-Laden gefunden, der sogar alte Gameboy-Spiele verkauft! Da es aber nichts interessantes für uns hatte, sind wir noch in eine Arcadehall gegangen um dann bald schlafen zu gehen.

Am Freitag haben wir uns Fukuoka/Hakata angeschaut. Dabei haben wir den grössten Holzbuddha in Japan begutachtet und sind durch die Ruinen von Fukuokajo gewandert. Am Abend haben wir uns dann mit den Schwiegervater eines Arbeitskollegen von Kens Vater getroffen. Er hat uns in eine (wie sich später herausstellte: seine) Sushibar geführt, wo wir wohl die ganze Speisekarte durchgerattert sind. Dabei wurden wir von einem Sushikoch bedient, welcher eine Kopie von Hattori Hanzo aus Kill Bill sein könnte. Nach dem üppigen Mahl wurden wir noch in zwei Bars geführt, wo ich mich wieder in Karaoke üben konnte.

Am Samstag machten wir uns auf in Richtung Zentral Kyushu (Kumamotoken) um den grössten aktiven Vulkankrater der Welt zu sehen. Er hat einen Umfang von 128km und beinhaltet einige Dörfer und sogar zwei Eisenbahnlinien. Da diese Linien aber nur von Regionalzügen bedient zu sein scheinen, hat unsere Fahrt knapp 3.5 Stunden gedauert. Besonders interessant war eine Station, als plötzlich der Zugführer ausstieg und sich ans andere Ende der Eisenbahn setzte. Ein Schild am Bahnhof versicherte uns dann aber, dass alles in Ordnung war. Der Zug fuhr nicht zurück, sondern auf einer anderen Strecke einige hundert Meter den Berg hinauf. Dort wechselte der Zugführer wieder seine Position und wir fuhren wieder in die ursprüngliche Richtung, diesmal einige Höhenmeter weiter oben. Ist zwar umständlich, aber wohl platzsparender und billiger als ein Kehrtunnel (wer nicht weiss, was ein Kehrtunnel ist, der begutachte das Gotthard-Modell im Verkehrshaus Luzern, am besten unter der kompetenten Führung meines Vaters ;-) ). Als wir dann endlich im Dreissigtausend-Seelen-Dorf Aso ankamen konnten wir eine weitere halbe Stunde auf den einzigen Bus warten, welcher uns nach Naka-Dake führen sollte. Naka-Dake ist die aktivste Spitze des Mt. Aso. Eigentlich sollte uns noch eine Seilbahn bis an den Kraterrand fahren, jedoch wurde der Betrieb kurzfristig eingestellt, da Naka-Dake zur Zeit ein wenig zu aktiv war und eine Fahrt auf die Spitze zu gefährlich gewesen wäre. Wir mussten somit mit Fotoschiessen aus einem Kilometer Entfernung Vorlieb nehmen. Danach durften wir eine weitere knappe Stunde auf den letzten, talwärts fahrenden Bus warten. Schlussendlich haben wir für diese paar Fotos knapp acht Stunden im ÖV verbracht und wohl noch anderthalb weitere Stunden mit Warten gebracht.

Am Tag darauf haben wir den Strandbereich von Fukuoka inkl dem Fukuoka Tower - ein 234 Meter hoher Turm, der wohl ausschliesslich der Aussicht wegen gebaut wurde. Am Montag kam dann unser Kyushu-Highlight: Die Hot Springs in Beppu. In Beppu gibt es zwei Arten von Hot Springs: die Jigoku, die für Sightseeing gedacht sind und die Onsen, in welchen man baden kann. Zuerst haben wir drei Jigoku besucht. Das Wasser der ersten war blau, das der zweiten war rot (nix Lebensmittelfarbe, alles echt) und der dritte war ein spontan aktiver Geysir. Nach dem Sightseeing haben wir dann zwei Onsen aufgesucht. Das erste war am Strand, wo man vor dem eigentlichen Hot-Spring-Bad mit heissem Sand zugedeckt wurde. Ein ganz eigenartiges Gefühl. Das zweite Onsen war dann vom Bade-Aspekt her der Hammer. Das Hauptbad war im Freien und man konnte den Zikaden zuhören und den vollen Mond begutachten. Dazu gab es mehrere heisse Bäder im Innern plus eine grosse 'Massage Dusche'. Am Schluss fühlt man sich totmüde und gleichzeitig neugeboren.

Gestern sind wir dann nach Nagasaki gefahren. Zuerst haben wir den obligaten Schrein-Rundgang gemacht. Die laut Reiseführer in einem Schrein anwesenden Komainu ('Gebetshunde') haben wir leider nicht gefunden, dafür haben wir eine übergrosse Schildkröte mit einem riesigen Abbild von Kannon gesehen.
Nach der Mittelalterlichen Geschichte haben wir uns dann der jüngeren Vergangenheit von Nagasaki gewidmet: Wir haben den Atomic Bomb Hypocenter Park und den Peace Park mit all ihren Statuen und Skulpturen besucht. Wie schon in Hiroshima ein Besuch, welcher viele Eindrücke hinterlässt.

Morgen werden wir den Japanischen ÖV in vollem Umfang geniessen. Wir fahren früh morgens mit dem Zug von Hakata nach Sapporo, Hokkaido, welches ganz im Norden Japans liegt. Die Reise wird voraussichtlich etwa 17 Stunden dauern. Aber viel Zugfahren sind wir uns ja inzwischen gewohnt.

Eine glückliche Schicksalfügung, dass du zufällig der Bruder deiner Schwester bist!

Eine witzige Geschichte ereignete sich während unserer Koreareise, die ich vergessen hatte im Korea-Post zu erzählen.

In Seoul hatten wir einmal mit meiner Schwester Lynn zum Abendessen abgemacht. Wir trafen uns vor dem Gebäude, in welchem Lynn arbeitet. Sie hatte etwas in ihrem Büro liegenlassen und musste deshalb nochmals kurz rauf. So neugierig wie wir sind, wollten wir natürlich ihr Büro sehen ("ich wott au 6 Bildschirm a mim zuekünftige Arbetsplatz ha!") . Dort angekommen wurden wir Lynns Team Membern vorgestellt, die alle Koreaner sind.

Am nächsten Morgen wurde meine Schwester doch tatsächlich von einem Team Member gefragt, wer von uns zwei eigentlich ihr Bruder sei... WTF??? ;-)

Langsam glaube ich an die "Evolutionstheorie" eines Kollegen, der behauptet, dass das Gesicht sich der Umgebung anpasst. Es scheint so, als hätte Michael während des Asientrips schmale Augen bekommen und es nun sehr schwierig geworden ist zu unterscheiden, wer von uns beiden der Asiate ist. Und da soll noch einer behaupten, dass wir Asiaten alle gleich aussehen... :-)

Wednesday, October 8, 2008

LOL Chargeamentz II

300 Yen für eine Wasserrutschbahn-Fahrt (50m) im Spa World (Eintritt 3000 Yen).
Dafür nur 1/3 des Eintritts bezahlt, very nice hand (Grund unbekannt).

Tuesday, October 7, 2008

Zentraljapanische Kultur und viel Essen

Am letzten Samstag sind wir nach Kyoto gefahren. Wir haben dabei eine Kollegin getroffen, welche ich bei meinem letzten grossen Trip vor sieben Jahren nach San Francisco kennengelernt habe. Sie hat uns einige interessante Orte in Kyoto gezeigt.
Zuerst haben wir Rengeo-in besucht. Rengeo-in ist ein Tempel dessen Hauptattraktion 1001 Buddha-Statuen sind. Sie sind alle neben- und hintereinander auf einer Tribüne in der Sanjuusangen-do aufgereit. Einige dieser Statuen sind über 800 Jahre alt! Vor den Buddha-Statuen befinden sich Statuen von Schutz-Gottheiten. Inmitten der vielen Statuen befindet sich eine grosse Buddha-Statue, welche zum 'National Treasure' von Japan zählt. Auf halbem Weg durch die Halle konnten wir uns in Shodo (Japanische Kaligraphie) üben. Wir schrieben eine Buddhistische Sure ab und schrieben einen persönlichen Wunsch dazu. Auf dem Rückweg durch die Halle erfuhren wir zudem, dass in diesem Tempel jährlich - und dies seit dem 17. Jahrhundert - ein Bogenschiesswettbewerb stattfindet, bei welchem innert 24 Stunden (!) so viele Pfeile wie möglich auf ein Ziel am anderen Ende der Halle geschossen werden.
Nach einem kurzen Mittagessen sind wir zum Kiyomizu Tempel gelaufen. Von der Terrasse des Tempels hat man eine schöne Aussicht auf einen Teil Kyotos, wenn das Wetter mitspielt. Gleich neben dem Tempel ist der Otowa Wasserfall, dessen Wasser therapeutische Wirkung haben soll.
Zum Schluss haben wir noch einen Park besucht der vor allem im Frühling interessant ist, wenn die Kirschbäume ihre Blüten tragen, bevor es dann schon wieder Zeit zum Abschied nehmen war.
Auf dem Nachhauseweg haben Ken und ich dann unser letztes Geld für Bier ausgegeben. (So schlimm wie es sich anhört, ist es nicht. Wir haben einfach die Karte nicht genau gelesen und fast 100% Servicegebühren bezahlt. Bravo!)

Am Sonntag haben wir einen der ältesten Tempel (Ende 13. Jahrhundert) in Japan besucht, den Shitenno-ji. Danach sind wir nach Universal City (die 'Vorstadt' der Japanischen Universal Studios) gedüst und haben dort unseren Hunger gestillt. Zum Schluss sind wir noch nach Tempozan gefahren. Dort befindet sich das höchste Riesenrad der Welt, von welchem man eine Aussicht über ganz Osaka und bis nach Kobe hat. Gleich daneben befindet sich das grosse Aquarium von Osaka (Nein, kein Casino!), welches wir dann am Montag besucht haben. Die Hauptattraktion waren zwei Walhaie (ihres Zeichens die grössten lebenden Fische der Welt). Sie waren zwar kaum ausgewachsen, trotzdem waren es eindrückliche Lebewesen, die den daneben schwimmenden Mantelrochen ziemlich mickrig erscheinen liessen. Interessant waren auch die kleinen Delfine, welche dauernd die Zuschauer mit ihren Tricks zu beeindrucken versuchten und die lustigen Pinguine. Nachdem Aquarium und einem traditionellen Kansai-Mittagessen fuhren wir dann zur City Hall, welche wir eigentlich schon letzte Woche sehen wollten, aber am Abend nicht mehr fanden. Leider war sie nicht wirklich spektakulär, und der danebenliegende Park war gerade im Umbau.
Ich habe mich dann alleine in Richtung Süden aufgemacht, da Ken langsam genug von den verschiedenen Tempel hatte. Nach einer kurzen Wanderung durch ein Osaka-Vorstadtquartier bin ich dann schlussendlich beim Tempel/Schrein angekommen. Wie im Reiseführer beschrieben, konnte man hier noch einige Chinesische Einflüsse im Baustil und auch bei den Verziehrungen feststellen. Als Bonus habe ich dann noch einen Blick auf das Osaka Fussballstadion werfen können.

Heute haben wir die alte Haupstadt Japans - Nara besucht. Nara beherbergt eine der grössten Bronze-Statuen der Welt, ein 16 Meter grosser Buddha. Er befindet sich im grössten Holzhaus der Welt, welches einen imposanten Anblick bietet. Gestützt wird das Haus durch mächtige Holzpfeiler, von denen einige ein kleines Loch am Boden haben. Wenn man den Legenden Glauben schenkt, wird man glücklich und klug, wenn man durchkriecht. Ken - die Luckbox - hat es mit ein wenig Hilfe geschafft. Ich mit meiner Kleiderschrank-Statur hab nicht durchgepasst. ;-)
Nicht zu übersehen sind in Nara die vielen Hirsche und Rehe, welche in der Nähe des Nara Parks frei herumlaufen. Die meisten kenne absolut keine Scheue, laufen über Strassen, lassen sich füttern. Man kann sie auch mit Reisgebäck füttern, dass überall verkauft wird (schmeckt übrigens ganz vorzüglich und ist vergleichsweise billig. Wieso also die Tiere damit füttern? :-) ).
Wieder zurück in Osaka haben wir endlich ein All-You-Can-Eat-Sushi-Restaurant gefunden. Wir haben beide ca. 30 Stück Sushi verdrückt - Ken ein bischen mehr, ich ein bisschen weniger. Hab dann dafür beim Dessert zugeschlagen. Jetzt ist erstmal verdauen angesagt, bevor wir uns auf die Suche nach billigem Bier machen. Prost!

Monday, October 6, 2008

Nachtrag: Big Mac in Korea

Huiii. Wir haben total vergessen, den Big-Mac-Test für Korea zu veröffentlichen. Also:

Geschmack: Da sind Ken und ich unterschiedlicher Meinung. Ich fand den Burger ziemlich fad, Ken findet, er sei gleich gut, wie der chinesische Big Mac.
Liebe: The Shit! Man könnte meinen, die Koreaner haben zwei extra Arbeitskräfte eingestellt, um den Burger anschaulich zu machen. Man glaubt es kaum, aber der Big Mac sieht hier live besser aus als auf dem Werbefötteli!
Grösse: Normal. Wie in der Schweiz. Die Koreaner sind ja auch grösser als die Chinesen...
Preis: Der Preis ist ein wenig höher als in China, aber immer noch viel billiger als in der Schweiz.

So. Update complete. Der nächste Blog ist dann wieder ein wenig mehr Reise-relevant. ;-)

Saturday, October 4, 2008

LOL Chargeamentz

22.- für zwei Bier! Wieso schaffen wir es immer am Wochenende, broke zu gehen???

Friday, October 3, 2008

Ankunft im Land der aufgehenden Sonne und wo finde ich was Billiges zu essen

Am 30.9. endete unsere Reise durch Korea, was somit auch bedeutete, dass unser Japan Abenteuer endlich beginnen konnte. Am Morgen verliessen wir gemütlich um 11 Uhr unser Dormitory und fuhren mit dem Taxi Richtung Ferry Terminal. Dort angekommen, erfuhren wir, dass die nächste Fähre von Busan nach Fukuoka erst um 14:30 losfahren würde. Somit hatten wir genug Zeit, etwas zu essen und spielten danach noch ein Heads-Up. Die Schlusshand muss ich doch noch erwähnen, welche zeigt, dass der selbsternannte Unluckiest Player Ever einfach doch die grösste Luckbox der Welt ist ;-)
Gubsi auf dem SB raiste wie so oft und ich callte nicely mit K8s. Der Flop brachte KQ4 rainbow und ich check-callte Gubsi's Continuationbet natürlich. Der Turn brachte die 8 und ich checkte nochmals, in der Hoffnung, dass Gubsi nochmals barreln würde. Und tatsächlich bettete er nochmals, worauf ich ihn nicely check-raiste. Ohne lange zu Überlegen stellte er seinen Stack in die Mitte und ich dachte, dass er sowas wie AK, KJ oder im dümmsten Fall KQ halten würde. "Chani nümme ablegge", sagte ich und callte natürlich und Gubsi, der Fisch, flashte K9 offsuit. River: 9 natürlich, was sonst... Soviel zum Thema Unluckiest Player Ever ;-). Momentan steht es im HU 2:2 zwischen uns, dafür führe ich in unserem Quartett- und im Tetrisbattle (ich, der selbsternannte beste Tetrisspieler, führe nur mit einem Punkt, ich Fisch).

Die Fahrt in der Fähre dauerte rund 3 Stunden und wir vor allem Gubsi konnten es kaum noch erwarten, Japan zu betreten. Aber am Zoll mussten wir wie bei den Amis zuerst Fingerabdrücke hinterlassen und ein Foto wurde von allen Einwanderern geschossen. Danach wurde unser Gepäck regelrecht inspiziert: Wir mussten unsere Reisetaschen aufmachen und sie stellten uns tonnenweise Fragen wie "Was macht ihr 1 Monat in Japan, wo ward ihr zuvor, etc.". Gubsi's Inspektor wollte sogar seinen Sack mit seiner dreckigen Wäsche aufmachen, was aber schlussendlich doch nicht tat. Schade :-)

Nach unserem Zoll Abenteuer wollten wir in der nächstgelegenen Bank oder Exchange Stube ein paar Yen wechseln, um etwas zu essen, bevor wir mit dem Shinkansen (ein TGV-ähnlicher Zug) von Fukuoka Richtung Osaka fuhren. Aber da keine Bank mehr geöffnet hatte, mussten wir mit 3000 Yen (ca. 30.-) auskommen, welche ich von zu Hause mitgenommen hatte (Gubsi konnte in der Schweiz damals keinen Yen wechseln).

Am Shinkansen Bahnhof angekommen, holten wir unseren Japanese Railpass (eine Art GA) am Schalter ab, wo Gubsi seine erste Konversation auf Japanisch führen konnte. Zuvor hatten wir schon mehrere Szenarien diskutiert, so à la: Gubsi sagt etwas auf Japanisch, Angestellter antwortet, Gubsi versteht nichts, Gubsi's Hoffnung ist dahin ;-)
Doch es kam anders ;-) Gubsi hatte die kurze Antwort des Bahnangestellten verstanden und war deshalb extrem happy wie eine kleines Kind ("c'mon!" à la Roger Federer).

Wir hatten noch Zeit, etwas kleines zu essen, bevor unsere 2.5 stündige Zugreise begann. Wir suchten uns ein billiges Restaurant am Bahnhof, was uns aber doch 2000 Yen kostete. Da die Busfahrt vom Ferry Terminal zum Bahnhof über 400 Yen betrug, hatten wir also noch genau 600 Yen übrig.

In Osaka angekommen - genauer gesagt in Namba (liegt ziemlich genau im Zentrum von Osaka), wo unser Youth Hostel sich befindet - wollten wir ein Taxi nehmen, da es regnete und wir fast um Mitternacht keine Lust mehr hatten, lange nach dem Hostel zu suchen. Aber dummerweise hatten wir nur noch 600 Yen, was in Japan wohl kaum für ein Taxi reichen würde. Jedoch wiesen die Taxifahrer uns aus einem anderen Grund ab, und zwar deshalb, weil unsere Destination zu Nahe wäre und es für sie nicht lohnen würde, uns dorthin zu chauffieren (so war es auch in Korea). Es blieb uns nichts anderes übrig, als zu Fuss dorthin zu laufen und zu hoffen, dass noch jemand an der Rezeption des Hostels war, weil wir bei der Reservation eigentlich geschrieben hatten, dass wir am späten Nachmittag / frühen Abend ankommen würden.
Zum Glück nahm alles doch noch ein gutes Ende.
Das Youth Hostel ist wirklich super. Unser Zimmer ist in einem japanischen Stil eingerichtet: Wir haben Tatami (so japanische Bodenmatten) im Zimmer und schlafen wie Japaner auf Futons. Betten wie wir sie in westlichen Hostels kennen, haben wir nicht, was wir aber auch nicht wirklich brauchen. Der Preis pro Nacht ist im Vergleich zu anderen Youth Hostels und Hotels auch gut und das Personal ist sehr nett zu uns, wohl deshalb weil wir 8 Nächte hier verbringen. Sie haben uns sogar angeboten, die private Waschmaschine zu benutzen, welche nur für das Personal gedacht ist. Und wenn wir ein Problem haben, kümmert sich der Chef persönlich und sofort darum. Echt klasse!

Nach der langen Schiff- und Zugreise haben wir am nächsten Morgen ausgeschlafen und haben am Nachmittag Namba genauer unter die Lupe genommen. Im nördlicheren Teil von Namba befindet sich die Business-District, d.h. die Firmen und diverse Shopping-Malls und im südlicheren Teil sind viele Restaurants, Bars, Compi-Spielhallen, Kinos, etc. zu finden.
Das Mittagessen fand in einer Sushi-Bar statt. Das Essen war wie erwartet super, der Preis jedoch auch, aber im negativen Sinne. Mehr als 7.- bezahlten wir für ein Bier. Anfangs Reise hatten wir geplant, dass wir pro Tag so ca. 25.- für Mittag und Abendessen ausgeben würden, was in China und Korea auch easy eingehalten wurde, nicht zuletzt da wir, vor allem in Korea, immer wieder eingeladen wurden und somit viel sparen konnten. An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die uns eingeladen haben. Kommt aber bitte nicht alle zur gleichen Zeit in die Schweiz in die Ferien, sonst wird es teuer für uns, wenn wir euch alle einladen ;-) In Japan aber müssen wir doch recht lange suchen, bis wir etwas finden, das in unserem geplanten Budget liegt. Bisher endete dies damit, dass wir in einen Supermarkt etwas kleines kauften oder an einem Take-away Stand etwas assen. Eine Alternative ist natürlich wie immer der McDonald's :-) In Japan kostet ein Menü zwar doppelt soviel in China und 50% mehr als in Korea, aber 700 Yen liegt in unserem Rahmen. Gubsi betonte zwar immer wieder, dass er in Japan, in seinem "gelobten Land", nie in den Mac gehen würde. Ich hingegen hatte immer wieder behauptet, dass er nach 4 Tagen Sushi nicht mehr ertragen könne und somit im Mac landen würde. Nach nur 2 Tagen landeten wir im McDonald's ;-) (Es soll aber hervorgehoben werden, dass der Kebabstand schon geschlossen hatte und wir als Alternative in den Mac "mussten"). Aber allgemein ist das Essen hier und auch sonstige Sachen sehr teuer.

Gestern machten wir einen Tagesausflug in Hiroshima und besuchten den Peace Park mit den vielen Denkmälern, die seit dem Abwurf der Atombombe errichtet wurden, resp. entstanden sind (gemeint ist der A-Bomb Dome, der damals eine Fabrik war und nicht ganz von der A-Bombe zerstört wurde und heute unter Denkmalschutz steht). Obwohl wir beide generell nicht so von Museen begeistertet sind, beeindruckte mich das Peace Memorial Museum doch sehr, welches die Hintergründe und die Folgen des Bombenabwurfs zeigt. Obwohl man viele Bilder von zerfetzten und verbrannten Körpern sehen konnte, fand ich ein Bild ganz übel: Auf dem Bild sieht man eine Hand mit 2 abgetrennten Fingern (die Person verlor diese nach der Explosion der Bombe). Wegen der radioaktiven Verseuchung wuchsen später so komische Fingernägel an jenen Stellen heraus, welche wie süsse Lakritze aussahen. Hatte die Person diese abgetrennt, strömte tonnenweise Blut heraus und die Nägel wuchsen wieder nach. Fein, nicht?

Heute fuhren wir nach Himeji und schauten uns einen berühmten Palast an. In Umeda (im Norden von Osaka) gingen wir einen weiteren Palast besichtigen und gingen auf das Dach eines 39 stöckigen Gebäudes, wo wir super Aussicht auf Osaka hatten. Eigentlich müsste man hierfür 700 Yen bezahlen, aber irgendwie haben wir per Zufall einen Lift genommen, welcher uns zum Dach führte, ohne dass wir an der Kasse vorbeilaufen mussten. Da haben wir gleich das Geld für eine Stange Bier gespart ;-)

Bis auf das hier alles teuer ist, sind noch folgende Impressionen und Highlights von den ersten paar Tagen erwähnenswert: Gubsi versucht immer auf Japanisch Fragen zu stellen, aber nicht selten antworten die Angestellten dann auf Englisch. So nach dem Motto: "Der weisse grosse Mann versteht unsere Antwort auf Japanisch eh nicht" ;-), was eigentlich auch stimmt, weil die Japaner sehr schnell reden. Aber trotzdem bin ich sehr froh, dass Gubsi ein wenig Japanisch kann, denn mich sprechen alle auf Japanisch an und ich versteh wirklich rein gar nichts ("aber grad gar nüt!"). Ich konnte heute im Kino nicht mal ein Popcorn mit Butter bestellen ;-)
Ach ja, wenn mich hier in Japan jemand für einen Japaner hält, denn beantrage ich die Japanische Staatsbürgerschaft. Einige Koreaner und sogar einige Chinesen meinten nämlich, dass ich ein Japaner sei. Sehe ich wirklich so japanisch aus?
Seit anfangs der Reise werfen wir gerne unsere Petflaschen aus einigen Metern Entfernung in Mülleimer (es lebe John Stockton!). Gestern bot Gubsi mir ein Menü im Mac an, wenn ich die Petflasche aus ca. 5 Meter Entfernung in einen Mülleimer mit einem wirklich winzigen Loch werfen könne. Gubsi erwähnte sogar, dass er auch keine Gegenleistung möchte, wenn ich nicht treffen sollte ("Du triffsch ja eh ned"). Ich glaubte ehrlich gesagt selbst nicht daran, aber irgendwie flog die Petflasche so perfekt, dass sie im Abfalleimer landete (c'mon!). Ich glaube, wenn es um Mac Frass geht, erreich ich wohl alles. Schade, dass mir niemand 10 Menüs oder so für eine gute Abschlussnote an der Masterarbeit offeriert hatte...

So, morgen gehen wir nach Kyoto, wo wir über 2000 Tempel bestaunen können. Stay tuned.